Bleiben oder gehen?:

Ausbildungsabbruch genau bedenken

Am Ende des Jahres endet für viele Auszubildende die Probezeit. Mancher überlegt derzeit: Abbrechen oder nicht? Die richtige Wahl zu treffen, ist nicht leicht. Diese Überlegungen helfen dabei.

Einen Schnitt machen und etwas Neues wagen: Ob das auch für ihre berufliche Entwicklung sinnvoll ist, sollten sich Azubis gut überlegen. Foto: Kai Remmers
Kai Remmers Einen Schnitt machen und etwas Neues wagen: Ob das auch für ihre berufliche Entwicklung sinnvoll ist, sollten sich Azubis gut überlegen. Foto: Kai Remmers

Der Ausbilder ist nicht so toll und die Arbeit ganz anders als gedacht: Ein paar Monate nach Ausbildungsbeginn ist bei einigen Anfängern Ernüchterung eingetreten. Während die Freunde von ihrer Lehre schwärmen, glaubt sich manch anderer im falschen Betrieb oder im falschen Job. Für letztere stellt sich nun die Frage: Bleiben oder gehen? Wer im September angefangen hat, muss in der Regel bis Ende Dezember eine Entscheidung treffen. Dann endet für viele Auszubildende die Probezeit. Bevor sie das Handtuch werfen, sollten Jugendliche jedoch ein paar Punkte klären.

Viele sind schon erleichtert, wenn sie wissen, dass sie nicht die einzigen mit Problemen sind. Von allen begonnenen Ausbildungsverträgen wurde 2013 jeder Vierte (25 Prozent) vorzeitig gelöst, sagt Alexandra Uhly vom Bundesinstitut für Berufsbildung. Rund ein Drittel der Vertragslösungen geschieht schon in der Probezeit. Besonders hoch sei die Lösungsquote bei den Gebäudereinigern, Friseuren und Köchen. Eine geringe Quote an Vertragslösungen gibt es zum Beispiel in den Ausbildungsberufen im öffentlichen Dienst oder bei Bankkaufleuten.

Trotz Praktika stellen viele Jugendliche am Beginn der Lehre fest, dass der Beruf ganz anders ist, als sie es erwartet haben, sagt Katharina Schumann. Sie leitet die Bildungsberatung bei der Handwerkskammer Berlin. Oder sie begreifen erst jetzt, was Arbeitsbedingungen wie Schicht- oder Wochenendarbeit tatsächlich bedeuten.

Ganz wichtig: ein Plan B

Das Wichtigste sei, nicht ohne Plan B abzubrechen, sagt Jürgen Wursthorn. Er ist Experte für das Thema Ausbildung bei der Bundesarbeitsagentur. Die Gefahr ist in dem Fall groß, dass Jugendliche mangels Alternativen längere Zeit zu Hause herumsitzen, nichts machen und so eine Lücke im Lebenslauf entsteht, die sie als Makel nicht mehr wegbekommen.

Ein Abbruch ohne Plan B ist künftigen Arbeitgebern außerdem nur schwer vermittelbar. Hat sich ein Jugendlicher bei der Wahl des Jobs trotz einer gründlichen Berufsorientierung vertan und bricht ab, um etwas anderes zu machen, ist das für viele Arbeitgeber kein Problem, meint Wursthorn. Viele Personaler sehen es jedoch kritisch, wenn Jugendliche leichtfertig alles hinwerfen, weil sie keine Lust mehr haben. In vielen Fällen hilft es, wenn sich der Jugendliche, der Ausbildungsbetrieb und ein externer Berater von Arbeitsagentur oder Kammern zusammensetzen. Das könne dazu beitragen, Missverständnisse auszuräumen.

Haben Jugendliche keinen Plan B, sollten sie sich einen Abbruch zweimal überlegen. Und wer weiß: Viele sind nach der ersten Ausbildung noch jung genug, dass sie im schlimmsten Fall bei großer Unzufriedenheit eine weitere anschließen können.

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