Wo es um Geld geht:

Banker müssen seriös sein

Jeden Tag im Anzug oder Kostüm zur Arbeit kommen – für angehende Bankkaufleute ist das Pflicht. Trotz der strengen Kleiderordnung ist die Ausbildung begehrt.

Kunden zu beraten, gehört zum Alltag von Florian Krebs. Er arbeitet als Bankkaufmann bei der Sparkasse in Weimar. Foto: C. welz
Candy Welz Kunden zu beraten, gehört zum Alltag von Florian Krebs. Er arbeitet als Bankkaufmann bei der Sparkasse in Weimar. Foto: C. welz

Ohne Jackett und gepflegtes Auftreten geht es bei Florian Krebs nicht. Er hat sechs Anzüge im Schrank. Als Privatkundenberater in Weimar bei der Sparkasse Mittelthüringen geht er in Hemd und Krawatte zur Arbeit. „Direkt nach der Schule war das noch ungewohnt“, blickt Krebs zurück. Inzwischen sei es ganz normal. Das ungewohnte Gefühl überkommt ihn nun eher, wenn er mal ohne Anzug unterwegs ist.

Bankkaufleute sind dafür da, ihre Kunden bei deren finanziellen Angelegenheiten zu unterstützen. Sie haben einen Job mit hoher Verantwortung, der mehr abverlangt als gutes Kopfrechnen, sagt Gabriele Jordanski. Sie ist Expertin für das Thema beim Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB).

Erst mal nervös wegen großer Geldmengen

Krebs startete nach seinem Abitur 2012 in die Ausbildung. Im Anschluss daran wurde er übernommen und arbeitet seit Januar 2015 in einer Filiale in Weimar. Am Anfang hätten ihn die Geldmengen, mit denen ein Bankkaufmann zu tun hat, schon etwas nervös gemacht, gesteht der 21-Jährige.

Einen Ausbildungsplatz zu bekommen, ist nicht leicht. Die Tendenz geht dahin, dass Unternehmen Bewerber mit Abitur oder Fachhochschulreife bevorzugen. „Manchen reicht aber ein sehr guter Realschulabschluss“, erklärt Sandra Sadighi, Ausbildungsberaterin bei der Industrie- und Handelskammer (IHK) in Frankfurt am Main. Formal gibt es keine Vorgaben, dass ein bestimmter Schulabschluss erforderlich ist.

„Junge Menschen, die sich bei einem Praktikum bewähren, können unter Umständen mit einem sehr guten Hauptschulabschluss Chancen haben.“ Bei den Noten schauen die Unternehmen nicht nur auf eine gute Mathematik-Zensur. Deutsch ist ebenso wichtig. Bankkaufleute sind ständig in Kontakt mit Kunden. „Sie müssen sich gut ausdrücken können und kommunikativ sein“, erläutert Sadighi.

Junge Menschen, die eher Scheu vor Gesprächen haben, sind kaum für den Beruf geeignet. Nach Beginn der Ausbildung kommen angehende Bankkaufleute recht schnell an den Schalter. Dort geht es etwa darum, Konten einzurichten und zu verwalten. Im weiteren Verlauf der Ausbildung stehen dann Geldanlagen und Kreditgeschäfte auf dem Lehrplan. Gerade zum Ende der Lehre nehmen die Beratungen von Kunden zu. „Ein erfahrener Kollege ist dabei in der Regel immer im Hintergrund, um eingreifen zu können“, erklärt Jordanski vom BIBB.

Die Ausbildung dauert drei Jahre. Abiturienten können sie um zwölf Monate verkürzen. „Das ist dann aber ein knackiges Pensum“, erzählt Sadighi.

Die Finanzkrise hat die Kunden vorsichtiger gemacht, registriert Krebs. „Die Sicherheit einer Anlage ist ihnen wichtig.“ Ihm als frisch ausgelerntem Bankkaufmann begegnen sie manchmal noch zurückhaltend. Er versucht dann, im Gespräch mit fundiertem Wissen das Vertrauen der Kunden zu gewinnen.

Oft gibt es nach der Lehre gleich ein Jobangebot

Azubis werden nach der Ausbildung oft direkt übernommen. Die Chancen stehen gut, sagt Sadighi. Auch Florian Krebs bekam gleich ein Jobangebot. Seinen Werdegang hat er klar vor Augen: Er will sich auf den Firmenkunden-Bereich spezialisieren und macht dafür ab April ein zweijähriges Studium neben seiner Arbeit.

Der Besuch einer Hochschule ist nur eine Möglichkeit der Weiterbildung. Wer beruflich aufsteigen möchte, kann auch eine Fortbildung zum Bankfachwirt machen und später Führungspositionen übernehmen.

Bankkaufleute finden nicht nur bei Banken und Sparkassen Jobs. „Ihnen steht ein relativ breiter Arbeitsmarkt zur Verfügung“, sagt Jordanski vom BIBB. Sie können an der Börse arbeiten oder bei Versicherungen und Immobilienvermittlungen.