Berufe vorgestellt:

Die Schuhmacher gehen gern mit der Mode

Sie reparieren nicht nur schicke Pumps und sportliche Treter, sondern stellen auch selbst welche her. Ohne ihre Arbeit läuft fast nichts – und trotzdem wird sie unterschätzt. Warum sich junge Leute trotzdem für diesen Beruf entscheiden.

Handarbeit in der Maßschuhmacherei in Berlin: Die angehende Schuhmacherin Tabea Terrino trägt Leim auf die Sohle auf, um einen Absatz zu fixieren. Fotos (2): Franziska Gabbert
Franziska Gabbert Handarbeit in der Maßschuhmacherei in Berlin: Die angehende Schuhmacherin Tabea Terrino trägt Leim auf die Sohle auf, um einen Absatz zu fixieren. Fotos (2): Franziska Gabbert

„Es ist ziemlich cool, für sich selbst Schuhe zu machen“, sagt Tabea Terrino. Die 22-jährige Schweizerin macht im dritten Lehrjahr eine Ausbildung zur Schuhmacherin. Mit ihr haben laut Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) 2012 bundesweit 33 Jugendliche die Lehre
begonnen. Ihr erstes Paar Schuhe fertigte Terrino für eine Projektarbeit in der Schule an. Das gefiel ihr so gut, dass sie ihren Studien-Plan auf Eis legte.

Bei der Schuhmacherei Kirstin Hennemann in Berlin lernt sie nun, Damen- und Herrenschuhe zu machen. Terrino gefallen die vielseitigen Aufgaben – vom Leisten- und Bodenbau über das Zwicken, wenn das Oberleder über die Leisten gezogen wird, das Entwerfen von Schnitten und das Beziehen von Absätzen bis zum Nähen des Schuhschaftes.

Je nach Betrieb macht das Herstellen neuer Schuhe oder die Reparatur alter den Großteil der Arbeit aus. In den vergangenen Jahren ist die Fertigung von Maßschuhen wie Derby oder Pumps immer beliebter geworden. Diese wenigen Schuhmacher, zu denen außer Terrinos Lehrbetrieb zum Beispiel auch
Theater-Schuhmacher gehören, üben das Handwerk im klassischen Sinne aus – wie zu der Zeit, als es noch gar keine Schuhe aus der Serienfertigung gab. Die meisten Schuhmacher arbeiten aber in Reparaturwerkstätten. Dort erneuern sie Schuhe, richten schiefe Absätze, arbeiten für eine bequeme Passform Fußstützen oder Verstärkungen ein, beraten Kunden und verkaufen Schuhe. Außerdem reparieren sie Ledertaschen, -jacken und -gürtel und tauschen Reißverschlüsse aus.

In der Ausbildung in einem kleineren Betrieb hätten Lehrlinge viel Kundenkontakt, sagt Peter Schulz vom Zentralverband des Deutschen Schuhmacher-Handwerks (ZDS) in Sankt Augustin. Bei der Kundenberatung geht es zum Beispiel um die richtige Schuhpflege, -lagerung und um fußgerechte Schuhe. 

93 Jugendliche machen eine Ausbildung

Die wöchentliche Arbeitszeit für angestellte Schuhmacher beträgt 39 Stunden. Das Handwerk ist aber nicht tarifgebunden. 2013 wurden in Deutschland laut Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) in allen drei Lehrjahren 93 Jugendliche zum Schuhmacher ausgebildet. Je nach Region lernen sie im Blockunterricht oder gehen wie Terrino einmal in der Woche zur Berufsschule.

In der Ausbildung lernen sie Materialien wie Leder, Holz, Gummi oder Kunststoff und den Aufbau eines fußgerechten Schuhs kennen. Im ersten Lehrjahr stehen Fußanatomie, Klebetechniken und Reparaturen am Schuhboden auf dem Lehrplan. Im zweiten Jahr lernen die Azubis, den Schuh an den menschlichen Fuß anzupassen, einen Konfektionsschuh zu bearbeiten oder Schuhböden herzustellen. Im dritten werden das Verbinden von Schaft und Schuhboden sowie das Anformen des Schuhbodens unterrichtet.

Bewerber sollten ein Interesse am Handwerk und nicht allzu schlechte Schulnoten mitbringen, sagt Schulz. Einen Vorteil hat, wer gern näht und schon handwerklich tätig war, ergänzt Terrino. Auch Interesse an Mode, Spaß am Kontakt mit Kunden und sorgfältiges Arbeiten sind wichtig. Geeignete Bewerber werden gesucht. Dem Handwerk allgemein mache der demografische Wandel und der gesellschaftliche Trend zum Studium zu schaffen, sagt Alexander Legowski vom ZDH. 

Nordkurier: Samsung Galaxy Tablet ohne Anzahlung