Kreativer Job:

Diese Zeichner übersetzen Vorträge in Bilder

Sie sind flink, sie haben künstlerisches Talent und können komplexe Zusammenhänge auf den Punkt bringen. Graphic Recorder ist ein ganz besonderer Beruf. Wie man ihn ergreifen kann.

Graphic Recorderin Gabriele Heinzel hört zu, filtert das Wesentliche heraus – und zeichnet parallel. Foto: Graphic Recorder/G. Heinzel
Gabriele Heinzel Graphic Recorderin Gabriele Heinzel hört zu, filtert das Wesentliche heraus – und zeichnet parallel. Foto: Graphic Recorder/G. Heinzel

Alles, was sie für ihre Arbeit brauchen, ist ein großes Stück Papier und viele bunte Filzstifte. Die Hände gleiten über die weiße Fläche. Binnen Sekunden entstehen aus schwarzen Strichen und bunten Flächen Symbole. Graphic Recorder übersetzen komplexe Reden und Vorträge in verständliche Skizzen.

Sie zeichnen auf Konferenzen, Tagungen und Teammeetings. Sie kommen zum Einsatz, wenn Geschäftsführer neue Strategien erklären oder Mitarbeiter über Teambildung diskutieren. Dann stehen Graphic Recorder vor einem weißen Plakat und verwandeln die Worte in Symbole. Das sieht aus wie eine Mind-Map, aber mit wenigen Worten und viel mehr Bildern. „Wir sind das Anti-Power-Point“, sagt Graphic Recorderin Gabriele Heinzel.

Während Graphic Recorder zeichnen, verinnerlichen die Zuhörer viel besser den Inhalt der Vorträge, beobachtet Isabelle Dinter aus München. Sie ist Vorstandsmitglied in der Illustratoren Organisation, dem Berufsverband für Illustratoren. „Ich glaube, es ist eine nachhaltige Verankerung im Gehirn.“

Wer den Job machen will, braucht vor allem eines: Konzentrationsfähigkeit. Zuhören und parallel zeichnen ist nicht einfach, erzählt Heinzels Kollegin Sophia Halamoda. „Man speichert viel ab, muss aber die Hälfte auch wieder aus dem Gedächtnis aussortieren.“

Während die beiden vor drei Jahren noch sporadisch ein paar Termine als Graphic Recorder hatten, füllt die Arbeit ihre Kalender nun vollständig aus. „Das Handgemachte hat Charme“, erzählt Halamoda.

Den einfachen Weg, Graphic Recorder zu werden, gibt es nicht. Halamoda hat eine Werbelehre an der privaten Grafikdesignschule Miami Ad School in Hamburg absolviert. „Klar sollte man zeichnerisches Talent haben, aber sonst erlernt man den Job einfach durch Üben, Üben, Üben“, sagt sie. Dinter glaubt, dass vielen ein Studium der Weg in den Beruf ebnet. „Ich schätze, dass mehr als 90 Prozent der Illustratoren und Graphic Recorder ein abgeschlossenes Studium haben“, erklärt sie. Häufig hätten sie Grafik, Illustration oder Kommunikationsdesign studiert.

Wer sich für einen künstlerischen Studiengang entscheidet, muss in der Regel seine künstlerische Eignung unter Beweis stellen. Häufig sei das eine Mappenprüfung, erläutert Christian Büning. Er ist Präsident des Berufsverbandes der Kommunikationsdesigner. Studienbewerber präsentieren Zeichnungen, Illustrationen oder Computergrafiken. Die Themenvorgaben und der Umfang seien von Hochschule zu Hochschule unterschiedlich.

Auf 50 Studienplätze kommen etwa 500 bis 800 Mappen, schätzt Büning. Die Bewerberzahl sei ungebrochen hoch. Trotzdem übersteige die Zahl der ausgebildeten Designer den Bedarf. Nur rund zwei Drittel könnten allein von ihrer Arbeit im Designbereich leben. Deshalb sollten Studienanfänger darauf achten, dass neben künstlerischem auch unternehmerisches Wissen vermittelt wird, rät Büning.

Halamoda mag die Vielfalt an Themen und den Kontakt zum Kunden. „Du schickst ja nicht einfach am Computer ein Bild weg, sondern bekommst direktes Feedback von den Leuten“, erläutert sie den Reiz. Und noch einen anderen Vorteil macht sie aus: „Man darf an Orten Mäuschen spielen, wo sonst kaum jemand reinkommt.“

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