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Exotischer als Erasmus: Studium in Indien

Ein Auslands-Semester in Spanien – das machen viele. Wer etwas erleben will, geht nach Indien. Das trauen sich nur wenige. Die Konkurrenz um die Stipendien ist relativ gering. Nur einen Aufenthalt selbst zu organisieren, sollten Studenten besser nicht probieren.

Von Darmstadt nach Delhi: Felix Noe (l.) und Johannes Deckert in Indien Foto: Doreen Fiedler
Doreen Fiedler Von Darmstadt nach Delhi: Felix Noe (l.) und Johannes Deckert in Indien Foto: Doreen Fiedler

In den Studentenwohnheimen leben Männer und Frauen strikt getrennt, und die Hörsäle heizen sich auf 45 Grad auf: Ein Studium in Indien ist vollerHerausforderungen. Doch das Abenteuer lohne sich, sagt Christine Schlottmann. Sie ist Direktorin des Deutschen Akademischen Auslandsdienstes (DAAD) in Neu Delhi. „Unter hundert Studenten, die hierherkommen, ist nur einer, der den Tag des Rückflugs herbeisehnt.“

Einer der 99 begeisterten ist Johannes Deckert (27). Er ist an der Technischen Universität (TU) München für Maschinenbau eingeschrieben. Gerade studiert er ein Semester am Indian Institute of Technology (IIT) in Delhi. „Ich wollte Indien mal aus einer anderen Perspektive kennenlernen, nicht nur als Tourist“, erzählt er. Die Vorteile lägen auf der Hand: Unterricht in Englisch, einfacher Zugang zu Indiens Elite-Hochschulen und wenig Konkurrenz bei den Stipendien. Bisher trauen sich nur wenige Studenten nach Indien.

Allein der DAAD hat 31 Förderprogramme für das südasiatische Land. Im vergangenen Jahr gingen allerdings erst 761 Deutsche auf diesem Weg nach Indien – für Praktika, ein Studium, Forschungsaufenthalte oder Kurzzeitprofessuren. „Die erste Hürde ist riesig“, erzählt Schlottmann. Viele Studenten blieben lieber auf ausgetrampelten Pfaden und gingen in europäische Länder. Neben dem DAAD haben mehr als 300 Hochschulen Partnerschaftsverträge mit indischen Universitäten unterzeichnet – die aber nicht alle aktiv sind. Ohne ein solches Kooperationsprogramm wird es schwierig, da indische Hochschulen nicht auf Individualisten ausgerichtet sind.

Der DAAD hilft bei der Organisation – nicht aber beim Einleben im Land. Deckert erzählt, dass er vieles in Indien am Anfang lustig fand, aber auch sehr anstrengend. „Alles war chaotisch, das Internet funktionierte nicht, aus der Dusche kam kein Wasser – das war mir an einem Punkt alles zu viel“, sagt er.

Der Soziologiestudent Felix Noe (23) von der TU Darmstadt hatte eher mit der Art der Lehre am IIT Probleme. „Nach einer Präsentation über ‚Hat die indische Demokratie funktioniert?‘ wollte ich den anderen Studenten Fragen stellen. Aber das ging nicht, denn eine Diskussion ist nicht vorgesehen.“

Die Karriereberaterin Svenja Hofert aus Hamburg hält gerade diese Erfahrungen abseits des Studiums für besonders wertvoll. Bei dem Auslandsaufenthalt gehe es vor allem darum, interkulturelle Kompetenzen zu erlernen, erzählt sie. Der DAAD rät, etwa ein Jahr vor dem Indien-Aufenthalt mit der Planung anzufangen und sich dabei umfassend zu informieren.

Die IIT-Studenten Noe und Deckert haben sich, abgesehen von den Formalitäten, kaum auf ihren Indien-Aufenthalt vorbereitet. „Dafür, dass ich jetzt in Indien bin, war es eigentlich nicht viel Organisation“, sagt Noe.