Fachlagerist und Verkäuferin sind beliebteste Berufe:

Fachlagerist und Verkäuferin sind die beliebtesten Berufe

In Neubrandenburg gibt es mehr Ausbildungsstellen als Bewerber. Trotzdem treten einige Jugendliche keine Lehre an.

Neubrandenburg. Jeder, der eine Ausbildungsstelle möchte, kann eine bekommen“, sagt Hans-Martin Rump, Chef der Neubrandenburger Arbeitsagentur. Voraussetzungen seien aber eine gewisse Mobilität und Flexibilität.

1551 Ausbildungsstellen in der Seenplatte sind der Agentur im Zeitraum von Oktober 2012 bis September 2013 gemeldet worden. Das sind 126 weniger als im Vorjahres­zeitraum. In Neubrandenburg waren es 581 und damit 145 weniger als im Vorjahr. Ein Grund dafür sei laut Rump, dass längst nicht alle Betriebe ihre freien Stellen bei der Agentur melden. „Unternehmer, die ihre Ausbildungsstellen bereits in den Vorjahren nicht besetzen konnten, haben diese  nicht wieder angeboten oder konzentrieren sich schon heute auf das nächste Ausbildungsjahr. Fast 800 Ausbildungsplätze sind jetzt schon für 2014 bei uns eingegangen“, sagt Agenturchef Rump.

Die Zahl der außerbetrieblichen Ausbildungs­angebote ist ebenfalls stark zurückgegangen. „Hier wurde auf die stabilere wirtschaftliche Lage und den Bewerberrückgang reagiert“, sagt der Agenturchef.1775 Jugendliche in der Seenplatte haben sich über die Arbeitsagentur für eine Ausbildungsstelle beworben, darunter waren auch 896 Altbewerber. In Neubrandenburg gab es 442 Bewerber. Damit kommen auf jeden Bewerber 1,3 Ausbildungsplätze.

Diese für Jugendliche komfortable Situation ist in der Seenplatte aber eine Ausnahme. Im Neubrandenburger Umland beispielsweise gibt es mehr als doppelt so viele Bewerber wie angebotene Stellen. Auch in Altentreptow und Demmin ist die Situation ähnlich schlecht.

Bei den Jungen ist der gefragteste Ausbildungsberuf der Fachlagerist, bei den Mädchen die Verkäuferin. Der am meisten angebotene Ausbildungsplatz ist der Kaufmann im Einzelhandel, gefolgt vom Verkäufer und Koch. In Neubrandenburg gibt es 24 unbesetzte Stellen, in Neustrelitz sogar 32. Gleichzeitig sind in Neubrandenburg aber auch 21 Jugendliche unversorgt, deutlich mehr als vor einem Jahr. „Wir begleiten diese ­Jugendlichen weiter, damit sie einen Ausbildungsplatz finden“, sagt Rump.

Dass nicht alle freien Berufsausbildungsstellen besetzt werden konnten, sei auch darauf zurückzuführen, dass die Ausbildungswünsche der Jugendlichen und die angebotenen Ausbildungsstellen in beruflicher oder regionaler Hinsicht nicht übereinstimmen. „Nicht alle Bewerber konnten die Messlatte der Betriebe erfüllen, insbesondere was die Schulnoten in den Hauptfächern betrifft. In diesem Alter entsprechen die Zeugnisnoten jedoch nicht immer dem wahren Leistungsvermögen. Ich kann Betrieben deshalb nur raten, die formalen Kriterien zurückzustellen und sich stattdessen Bewerber in der Praxis anzuschauen. dabei entdeckt man viele Talente“, meint der Agenturchef. Einige Betriebe würden sich in ihren Anforderungen, was soziale Kompetenzenwie Pünktlichkeit angeht, schon stärker auf die Marktsituation einstellen, aber auch hier gebe es natürlich Grenzen.

Obwohl es an Ausbildungsmessen und verschiedensten Informationsveranstaltungen in Neubrandenburg wahrlich nicht mangelt, stellt die Arbeitsagentur bei den Jugendlichen trotzdem ein enormes Informations­defizit fest, was das Wissen über Ausbildungsberufe und auch Arbeitgeber vor Ort  betrifft. Dies könne vielleicht daran liegen, dass sich bei den Veranstaltungen meist die „üblichen Verdächtigen“ präsentieren. Hans-Martin Rum ruft darum auch die kleineren Unternehmen auf, solche Veranstaltungen zu nutzen, um sich zukünftige Fachkräfte zu sichern.  Auch die oftmals unterstellte Annahme, dass die größeren Firmen mehr Sicherheit und bessere Verdienstmöglichkeiten bieten könnten, sei nicht immer zutreffend.

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