Einblicke in den Anwaltsberuf:

Für Sexualstraftäter arbeiten wir nicht

Schwierige Klienten und lange Wege bis zum Gericht: Der Anwaltsberuf ist kein Selbstläufer. Zwei Demminer Anwälte erklären ihren Berufsalltag.

Die beiden Anwälte Kathleen Schwerin-Witkowski und Stefan Tabbert
Jana Otto Kennen sich seit Schulzeiten: Die beiden Anwälte Kathleen Schwerin-Witkowski und Stefan Tabbert

In den vergangenen zehn Jahren fiel nicht ein böses Wort zwischen ihnen. „Ich gehe jeden Tag gerne zur Arbeit“, sagt Kathleen Schwerin-Witkowski. Die promovierte Rechtsanwältin schmunzelt selbst ein wenig bei dieser Beschreibung, schließlich sind sie und Stefan Tabbert kein Paar, sondern Kollegen und arbeiten seit nunmehr zehn Jahren als Anwälte gemeinsam in einer Bürogemeinschaft in der Hansestadt.

Dass die beiden sich einst unter einem Dach gemeinsam niederlassen, war kein Zufall. Die 37-Jährigen stammen aus Demmin und kennen sich bereits aus Schulzeiten. Beide studierten Jura und schnell wuchs der Wunsch, sich in der Heimatstadt beruflich niederzulassen. „Das hatte den Vorteil, dass man viele Leute schon kannte“, sagt Kathleen Schwerin Witkowski.

Schließlich hat sie einen Teil ihres Referendariats am Demminer Amtsgericht absolviert und bis sie sich 2003 niederließ, gab es ihres Wissens nach in der Hansestadt keine Frau als Anwältin. „Ich dachte, dass gerade Frauen es dann leichter hätten, wenn sie sich in Familienangelegenheiten an mich wenden können“, meint die Juristin. Zwar ist dieser Plan nicht ganz aufgegangen, anfangs zählte sie mehr männliche Mandanten, doch ihren Schwerpunkt fand Kathleen Schwerin-Witkowski schließlich im Familien- und Sozialrecht.

Strafrechtssachen landen eher auf dem Tisch von Stefan Tabbert, mit dem sie seit 2004 eine Bürogemeinschaft führt. „Jeder von uns arbeitet zwar selbstständig, doch wir haben den Vorteil, dass wir uns im Bedarfsfall unterstützen können“, sagt Kathleen Schwerin-Witkowski. Nicht unerheblich bei der Wahl des Standortes war dabei das Vorhandensein des Amtsgerichtes.

„Es passiert oft, dass dringende Sachen anstehen und man kurzfristig ans Gericht muss“, erläutert die Anwältin. Kurze Wege hätten für alle Beteiligten Vorteile, sodass die beiden Juristen sich vehement dafür einsetzen, dass das Amtsgericht vor Ort bleibt.

Es klagen mehr Väter und Rentner

Über die Jahre hinweg haben sich die Anwälte einen Ruf in der Hansestadt erarbeitet und die Belange hunderter Mandanten vertreten. Am nachhaltigsten eingeprägt hat sich bei Stefan Tabbert die Angelegenheit eines Mannes, dem fünf Jahre Gefängnis bevorstanden, als er den Fall übernahm. Tabbert erreichte eine zweijährige Bewährungsstrafe für seinen Mandanten. „Ich hatte schon Bauchschmerzen dabei, doch letztlich hat sich herausgestellt, dass es die richtige Entscheidung war“, erinnert sich der Anwalt. Der Mann kam auch dank seines Engagements wieder auf den richtigen Weg und führt heute ein geregeltes Leben. „Wäre er damals in Haft gekommen, wäre er sicherlich heute nicht da, wo er jetzt ist“, sagt Stefan Tabbert überzeugt.

Als Vertreter muss er Verständnis für seine Mandanten aufbringen, doch es gibt für ihn auch Grenzen. „Die Vertretung von Sexualstraftätern oder jemandem, der Kinder missbraucht hat, würde ich ablehnen“, sagt er vehement. Bislang gab es so eine Anfrage allerdings noch nicht.

Der Arbeitsalltag ist vielmehr von anderen Sachen geprägt. „Zugenommen haben Sorgerechtssachen“, schätzt Kathleen Schwerin-Witkowski ein. Immer mehr Väter erstritten sich heute dieses Recht. Einen Zuwachs verzeichnen sie auch in puncto Rentenangelegenheiten. „Ich glaube, das liegt daran, dass sich die Mentalität der Menschen geändert hat und sie heute nicht mehr bereit sind, beispielsweise die Ablehnung eines Antrags durch die Rentenkasse einfach hinzunehmen“, vermutet die Juristin.

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