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Hörsaal ohne Männer

Um weiblichen Nachwuchs für Technik zu begeistern, bieten Hochschulen Studiengänge nur für Frauen an.

Frauen sind in vielen Ingenieurwissenschaften normalerweise Mangelware. Foto: HTW Berlin/Alexander Rentsch
Alexander Rentsch Frauen sind in vielen Ingenieurwissenschaften normalerweise Mangelware. Foto: HTW Berlin/Alexander Rentsch

Normalerweise sitzen in einer Informatikvorlesung lauter Männer – und ein paar Frauen. Das ist in diesem Seminarraum an der Berliner Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) etwas anders: Männer gibt es hier nicht – der Bachelor Informatik und Wirtschaft ist ein Frauenstudium. Die Stimmung sei viel lockerer als in einer gemischten Gruppe, erzählt Sarah Jordan, die im fünften Semester des Frauenstudiengangs studiert.

„Auf dem Arbeitsmarkt sind weibliche Ingenieure gefragt. Doch in den entsprechenden Studiengängen sind Frauen nur vereinzelt vertreten“, sagt Juliane Siegeris, Leiterin des Frauenstudiengangs an der HTW. Viele Abiturientinnen glaubten, in einem von Männern dominierten Studiengang nicht mithalten zu können. „Sie denken, ihre Vorkenntnisse wären zu schlecht und haben Sorge unterzugehen“, ergänzt Ulrike Schleier. Sie leitet den Frauenstudiengang Wirtschaftsingenieurwesen an der Jade Hochschule in Wilhelmshaven.

Um Frauen stärker für Mathe, Informatik, Naturwissenschaften und Technik (MINT) zu begeistern, wurde 2009 der Frauenstudiengang an der HTW gegründet. Daneben gibt es in Deutschland noch vier weitere monoedukative Angebote: Wirtschaftsingenieurwesen an den Hochschulen in Wilhelmshaven und Stralsund, Informatik an der Hochschule Bremen und Wirtschaftsinformatik an der Hochschule Furtwangen.

Studentin Sarah Jordan hat das Gefühl, von den Männern in anderen Studiengängen an der HTW belächelt zu werden. Doch darauf gibt sie nicht viel. Später würde sie gerne als Programmiererin tätig sein. „Dann wieder mit Männern zu arbeiten, macht mir natürlich nichts aus.“