Tierliebe und Handwerk:

Hundefriseure kümmern sich ums Fell

Tierliebe ist nicht schlecht. Sie reicht für diesen Job aber nicht. Noch wichtiger ist, sich gut mit dem besten Freund des Menschen zu verstehen. Denn Vierbeiner gehen oft nur ungern zum Verschönern.

Rainer Wolff aus Berlin frisiert Hunde. Er nutzt dafür ausschließlich eine spezielle Friseurschere und den Kamm. Das ist seine Spezialität. Foto: Andrea Warnecke
Andrea Warnecke Rainer Wolff aus Berlin frisiert Hunde. Er nutzt dafür ausschließlich eine spezielle Friseurschere und den Kamm. Das ist seine Spezialität. Foto: Andrea Warnecke

Charly wirbelt herum. Der Rüde ist ein lebhaftes Tier, doch als es ans Waschen geht, wird er ruhig. „Er weiß, was jetzt kommt“, erklärt Rainer Wolff. Der Berliner leitet einen Hundesalon im Stadtteil Wilmersdorf. Dort bietet er das ganze Paket: Waschen, Bürsten, Schneiden und Krallenpflege. Bei seinen Kunden ist die Freude über den Friseurbesuch geteilt: Die Herrchen freuen sich danach über ihre frisierten Lieblinge, die Hunde darüber, endlich wieder raus zu sein.

„In den Augen der Hunde sind Friseure nicht immer die besten Freunde“, sagt Wolff. Die Geräusche des Föns, das Wasser, langes Stehen beim Bürsten und Schneiden. All das sei gegen ihre Natur, sagt der 49-Jährige. Das muss jedem klar sein, der Hundefriseur werden will. Liebe zum Hund ist deswegen nur eine Voraussetzung für den Job. Noch wichtiger ist ein angstfreier, sicherer Umgang mit den Vierbeinern.

Ein spezieller Schnitt für jede Rasse

Hundefriseur, auch Groomer genannt, ist kein gesetzlich anerkannter Ausbildungsberuf. „Es ist eher Berufung als Beruf“, sagt Ute Klaßen. Sie leitet in Castrop-Rauxel
die Groomer-Academy, bildet also selbst aus.

Der Kurs an ihrer Schule dauert fünf Wochen und kostet rund 2500 Euro. Dort lernen angehende Hundefriseure unter anderem, dass jede Rasse ihre eigenen Fellschnitte hat. „Ein Rauhaardackel kann nicht wie ein West-Highland-Terrier frisiert werden“, erklärt Klaßen.

Keiner sollte ohne solide Kenntnisse über Arbeitsgeräte, Arbeitsschutz sowie das Wesen und die Bedürfnisse der Hunde an die Tiere ran, betont sie. Künftige Hundefriseure sollten sich im Klaren sein, dass nicht nur gestriegelte Chihuahuas in den Salon kommen werden. „Man sollte auch keine Angst vor großen und schmutzigen Hunden haben“, sagt Klaßen. Waschen und Bürsten ist ebenso Teil des Geschäfts wie Schneiden und Scheren.

Auch bei Hunden gibt es Standardfrisuren. Die sind für verschiedene Rassen vom internationalen Verband FCI vorgegeben. „Jene Schnitte muss man beherrschen“, sagt Brigitte Bleidorn, die einen Salon in Remagen bei Bonn leitet. Für Hundebesitzer, die mit ihren Lieblingen bei Wettbewerben starten, sind diese Frisuren entscheidend. Sitzt dann nicht jedes Haar, gibt es keine Preise.

Der Markt für Hundefriseure sei umkämpft, sagt Rainer Wolff. „Umso wichtiger ist es, mit konstant guter Arbeit Stammkunden zu gewinnen.“ Auch ein Alleinstellungsmerkmal kann hilfreich sein: Wolff frisiert die Hunde seiner Kunden ausschließlich mit einer speziellen Schere zum Ausdünnen und dem Kamm – egal ob große Hunde wie Afghane oder kleinere wie Yorkshire-Terrier. „Die Kunden sehen und schätzen den Unterschied“, ist er überzeugt. Je nach Größe des Hundes und Zustand der Haarpracht dauert ein Schnitt zwischen 20 Minuten und zwei Stunden.

Nach der Ausbildung machen sich Hundefriseure in der Regel selbstständig. Das sollte vor der Entscheidung für den Beruf bedacht werden, denn die Miete des Salons und dessen Ausstattung kosten Geld. Wer 40 Stunden in der Woche arbeitet und gute Qualität liefert, kann sich laut Ute Klaßen eine sichere Existenz aufbauen. „Wichtig ist es, sich einen Namen zu machen.“

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