Frauen im Beruf:

Karriere machen trotz Babypause

Eine Karriere um jeden Preis kommt für viele junge Frauen nicht mehr infrage. Denn noch droht die Babypause häufig zum Karriereknick zu werden.

Wer Karriere machen will, sollte die Babypause kurz halten.
Silke Heyer Wer Karriere machen will, sollte die Babypause kurz halten.

Junge Frauen wollen häufig beides: Karriere und Familie. Doch mit der Babypause ist für viele Frauen der Traum von der Karriere erst einmal ausgeträumt. Während sie zu Hause das Kind versorgen, arbeiten sich die männlichen Kollegen, die ihnen bis dato im Job gleichgestellt waren, auf der Karriereleiter empor. „Wer Karriere machen will, muss derzeit die Babypause möglichst kurz halten“, sagte Elke Holst anlässlich der Auftaktveranstaltung zum Equal Pay Day in Berlin. Sie ist Forschungsdirektorin am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung in Berlin.

Jedes zusätzliche Jahr Berufserfahrung bringt bei Frauen, die in Vollzeit angestellt in der Privatwirtschaft arbeiten, im Schnitt vier Prozent mehr Verdienst im Vergleich zu einer Frau, der dieses Jahr an Erfahrung fehlt. Das zeigen Berechnungen von Holst. Bei den Führungskräften sind es sogar knapp sechs Prozent. „Wer länger aussetzt, muss auf diesen Lohnzuwachs verzichten.“ Zum Vergleich: Bei den Männern unterhalb der Führungsebene bringt jedes zusätzliche Jahr Berufserfahrung im Schnitt knapp sechs Prozent. Bei den Führungskräften sind es acht Prozent.

Wie kurz die Babypause sein muss, um keinen Karriereknick zu erleben, sei stark abhängig von der Position und dem Unternehmen. „Drei bis sechs Monate Babypause sind meist kein Problem“, sagt Holst. Wer als Führungskraft ein Jahr aussetzt, könne jedoch schon Schwierigkeiten bekommen.

Doch egal, wie lang die Pause ist: Auf jeden Fall sollten Frauen in der Babypause Kontakt zum Arbeitgeber halten und in der Firma Präsenz zeigen. Bevor sie sich in die Auszeit verabschieden, sei es deshalb wichtig, den Chef zu bitten, weiter Einladungen zu wichtigen Sitzungen – etwa zu der Jahresplanung – zu erhalten. Wer es organisatorisch schafft, könne auch anbieten, in dringenden Notfällen – so bei einem erhöhten Krankenstand – für ein paar Stunden als Ersatz einzuspringen, rät Holst. Bei Schulungen zu neuen Computerprogrammen sei es ebenfalls gut, dabei sein zu dürfen.

Diese Einsätze in der Babypause außer der Reihe sind zwar aufwendig zu organisieren und anstrengend. Doch Frauen schlagen damit häufig gleich zwei Fliegen mit einer Klappen, so Holst. Sie zeigen dem Chef, dass ihnen ihre Karriere weiter am Herzen liegt. Und sie bleiben zumindest etwas im Berufsalltag, was den Wiedereinstieg erleichtere.

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