Umgang mit Facebook, Twitter und Co.:

Lehrer tun sich schwer mit Netzwerken

Berührungsängste und Verbote schränken die Nutzung sozialer Plattformen im Unterricht ein. Experten fordern mehr Modernität im Klassenraum.

Gymnasiallehrer Thomas Langer (3. v. l.) spricht mit seinen Schülern über den Umgang mit den „Sozialen Medien“.
Peter Endig Gymnasiallehrer Thomas Langer (3. v. l.) spricht mit seinen Schülern über den Umgang mit den „Sozialen Medien“.

Mr. Langer hat einen neuen Link gepostet. Einen englischen Artikel der US-Zeitung „USA Today“ über die Ice Bucket Challenge. Die Geschichte über das Internet-Phänomen sollen vor allem Thomas Langers Schüler lesen. Die versorgt der Englischlehrer des Johannes-Kepler-Gymnasiums in Leipzig über seine Facebook-Seite „Mr. Langer Online“ mit spannenden Texten in seiner Unterrichtssprache – als Zusatzangebot zu den Schulstunden.

Der 40-Jährige ist damit unter deutschen Lehrern eine Ausnahme. Die Kommunikation zwischen Lehrern und Schülern über Online-Netzwerke wird kontrovers diskutiert. Politiker und Pädagogen reagieren zurückhaltend auf eine Verbindung von Schule und Internet.

Viele Bundesländer wollen Lehrer und Schüler im Social Web sogar lieber dauerhaft voneinander trennen. Einige, wie Baden-Württemberg, haben ihren Pädagogen den dienstlichen Kontakt mit Schülern auf Facebook verboten. In anderen Bundesländern gilt dagegen, dass sich die Lehrkräfte auch im Internet „amtsangemessen“ verhalten müssen.

Der Verband Bildung und Erziehung (VBE) fordert einen offeneren Umgang mit den Online-Diensten. „Wir halten nichts davon, wenn Kultusministerien sagen ,Wir verbieten das‘“, sagt der stellvertretende Bundesvorsitzende des Verbands, Rolf Busch. Er hat für den VBE einen Leitfaden zur Benutzung von Social Media an Schulen erstellt und sieht die Netzwerke als Chance. Durch sie könnten Lehrer ihre Schüler dort abholen, wo sie zu Hause sind: im Netz.

Mit einem Verbot machten es sich die Länder nach Buschs Meinung leicht, nicht auf eine gesellschaftliche Veränderung reagieren zu müssen. Natürlich habe auch er „große Bedenken zum Datenschutz“ bei Facebook und anderen Plattformen. „Mir ist aber noch kein Lehrer untergekommen, der Noten bei Facebook postet“, sagt er.

Doch es geht nicht nur darum, dass Noten im Netz landen könnten. Die Kultusministerkonferenz (KMK), das gemeinsame bildungspolitische Organ der Länder, sieht ein weiteres Problem darin, dass sich die Online-Netzwerke über Werbung finanzieren. Es sei bedenklich, wenn Schulen einen Teil ihrer Kommunikation mit den Schülern über Plattformen abwickelten, die mit den Daten der Nutzer Geld verdienten, erklärt KMK-Sprecher Torsten Heil. „Ich denke, dass man da eine ganz klare Abgrenzung schaffen muss.“ Eine Vereinheitlichung der verschiedenen Länder-Regelungen sei aber bislang nicht geplant.

Auch Google-basierte Dienste extra für Schulen und Universitäten seien „technisch genial“, sagt Jörg Schumacher vom Landesmedienzentrum Baden-Württemberg. Sie seien durch ihre Anbindung an US-Server aber aus Datenschutzgründen im schulischen Kontext nicht benutzbar. Datenaustausch-Software wie das beliebte Dropbox würde von den Bundesländern deshalb ebenfalls nicht zugelassen.

Dabei gibt es eine Reihe von Plattformen außerhalb der populären Netzwerke, die für das Lernen einen Mehrwert bringen könnten, erklärt Schumacher. Er nennt spezialisierte Lernplattformen wie Moodle, die sich auf eigenen Servern der Schulen einrichten ließen. Damit die Schule nah am Alltag der
Kinder und Jugendlichen bleibe, müssten digitale Medien stärker im Unterricht eingesetzt werden, forderte er. Dieser Prozess komme viel zu langsam voran – vor allem, weil dafür viel Geld in die Ausstattung gesteckt werden müsste.