Grauzone ist passé:

Leiharbeiter haben auch Rechte

Spezielle Regeln schützen die Beschäftigten der Branche vor Ausbeutung. Diese Rechte sollten Leiharbeiter gut kennen.

Auch mal die Beine baumeln lassen: Leiharbeiter haben die gleichen Rechte wie die Stammbelegschaft - das gilt auch bei den Pausen.
Frank Rumpenhorst Auch mal die Beine baumeln lassen: Leiharbeiter haben die gleichen Rechte wie die Stammbelegschaft - das gilt auch bei den Pausen.

Fast 800 000 Deutsche sind derzeit bei Zeitarbeitsfirmen beschäftigt. In häufig wechselnden Betrieben zu arbeiten, ist für sie Alltag. „Leiharbeit zieht sich durch alle Branchen“, sagt Gerd Denzel, Fachbereichssekretär in der Verdi-Bundeszentrale in Berlin. Besonders verbreitet sei sie im Maschinenbau und in der Automobilindustrie. Grundsätzlich haben Mitarbeiter auf Zeit die gleichen Rechte wie andere Arbeitnehmer, erläutert Denzel. Der Arbeitgeber muss Beiträge zu den Sozialversicherungen abführen, den Lohn im Krankheitsfall weiterzahlen und sich an den gesetzlichen Kündigungsschutz halten. „Bei der Leiharbeit besteht im Regelfall ein unbefristetes Arbeitsverhältnis mit dem Verleiher“, sagt Prof. Peter Schüren, Arbeitsrechtler an der Universität Münster. „Befristet ist nur der Einsatz beim Entleiher.“

Theorie und Praxis klaffen auseinander

Zumindest auf dem Papier ist also alles in Ordnung. „Das Problem ist die praktische Ausgestaltung der gesetzlichen Rechte“, sagt der Gewerkschafter Denzel. In der Praxis werde das Arbeitsverhältnis oft nach Beendigung des Einsatzes sofort gekündigt. „Der gesetzliche Kündigungsschutz greift erst nach sechs Monaten, aber ein Leiharbeitsverhältnis dauert im Durchschnitt drei Monate.“ So werde der Schutz faktisch ausgehebelt. „Die klassische Erwerbsbiografie geht so: Arbeitslosigkeit, Leiharbeit, erneute Arbeitslosigkeit.“

Tariflohn ist seit Jahren die Regel

Auch die Bezahlung der Leiharbeit hat sich in den vergangenen Jahren verbessert: „Die Zeiten des Lohndumpings mit Hilfe der Leiharbeit sind vorbei“, sagt Schüren. „Die Tarifverträge für Leiharbeitnehmer sind viel besser als noch vor zehn Jahren.“ Seit 2003 gelte ein Gleichbehandlungsgrundsatz: „Entweder muss für einen Leiharbeiter Tariflohn bezahlt werden oder der im Einsatzbetrieb übliche Vergleichslohn.“ Damit mache es für eine Zeitarbeitsfirma keinen Sinn, nicht nach Tarif zu bezahlen – der Vergleichslohn ist meist höher. Seit 2012 gilt für die Branche zudem ein gesetzlicher Mindestlohn.

 

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