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Schmied: Nur selten klingt der Amboss noch

Wolfgang Döbler ist in Eisenberg geboren und gelernter Schmied. In seinem Beruf treibt es ihn jetzt an die Spitze - die Kirchturmspitzen.

Handgeschmiedet sind die Bolzen, die die Kirchturmspitze halten. Die stark korrodierten Stücke ersetzt Wolfgang Döbler jetzt durch neue.
Eberhard Rogmann Handgeschmiedet sind die Bolzen, die die Kirchturmspitze halten. Die stark korrodierten Stücke ersetzt Wolfgang Döbler jetzt durch neue.

„Schätze lagern hier nicht, aber sicher ist sicher“, sagt Wolfgang Döbler, während er ein Schloss nach dem anderen öffnet. Dann zieht er die Türe auf und gibt den Blick frei in die Schmiede. Eisen, wohin das Auge schaut. Einige Werkzeugmaschinen stehen wuchtig in dem Raum, das Schmiedefeuer ist dahinter kaum auszumachen. Ja, gibt der Kunstschmied zu, zum Schmiedehammer greife er nur selten.

Die Auftragslage habe sich sehr verändert in den letzten Jahren. In Arbeit hat Wolfgang Döbler derzeit zwei Kirchturmspitzen. Viel zu erkennen ist an der tragenden Konstruktion, die ihrer Abdeckung entkleidet ist, nicht. Döbler weist auf ein übermannshohes Stahlgerüst. „Das ist die Spitze des Kirchturms von Hohen Demzin. Die Kugel wies Einschüsse auf. Irgendwie sind Vögel da hineingelangt und hatten ihr Nest. Kot und Wasser ergaben ein ätzendes Gemisch, das letztlich die Nieten sprengte. Die Sanierung kam also gerade recht. Die Gefahr, dass Teile vom Turm fallen, war schon real“, schildert der Handwerker die Situation. Jetzt wird in einer Werkstatt in Sachsen eine neue Kugel gefertigt. Die Turmschürze sowie die Bolzen für die Befestigung erneuert Wolfgang Döbler.

Kunst am Bau hat momentan keine Konjunktur

Ganz anders liegt der Fall bei der Spitze vom Gotteshaus in Lübsee. Da hatte am 3. Juli der Blitz eingeschlagen. Die Energie war so gewaltig, dass aus der Blechschürze ein daumengroßes Stück splitterte. Hier wird nachgelötet. Mit Reparaturarbeiten schlägt sich der Kunstschmied derzeit durch.

Kunst am Bau, worin Wolfgang Döbler sein eigentliches Metier sieht, hat momentan keine Konjunktur. „Wer stellt sich heutzutage noch ein schmiedeeisernes Tor hin oder ein handgeschmiedetes Grabkreuz? Den meisten Leuten fehlt das Geld. Und jene, die Geld haben, stellen das nicht zur Schau“, weiß der Handwerker. Da fehle in Mecklenburg die Tradition. In Süddeutschland ist das anders, weiß er von ausgedehnten Reisen durch Bayern und Baden-Württemberg.

In den Anfangsjahren gehörte es zu seinem Alltag, Pferde zu beschlagen

Wolfgang Döbler selbst stammt aus Eisenberg in Thüringen. War ihm da das Schmiedehandwerk schon in die Wiege gelegt? „Nicht zwangsläufig“, winkt er lächelnd ab. Doch habe er den Beruf quasi von der Pike auf gelernt. In den Anfangsjahren gehörte es zu seinem Alltag, Pferde zu beschlagen. Später standen Reparaturen landwirtschaftlicher Geräte und Maschinen auf dem Plan.

In den 1970er-Jahren wechselte Wolfgang Döbler in einen privaten Handwerksbetrieb nach Berlin. Dort war er als Kunstschmied tätig. „Wir hatten mit Staatsaufträgen reichlich zu tun. Unser Geschick war gefragt bei der Sanierung des Berliner Doms, im Schauspielhaus und im Nikolaiviertel“, erinnert sich Döbler jener Schaffenszeit. Nach der Wende war‘s damit vorbei.

1994 erwarb er die alte Dorfschmiede Rothenmoor. Ein historischer Platz, denn schon seit dem frühen 18. Jahrhundert ist der Standort als Schmiede nachgewiesen. „Hier verlief die Plauer Landstraße, die Malchin mit Plau verband“, hat er herausgefunden. Die alte Schmiede war irgendwann einmal abgebrannt. An ihrer statt entstand das heutige Bauwerk mit einem quadratischen Grundriss. Ein Hingucker an der Deutschen Alleenstraße. Doch da es außerhalb des Ortes und zudem in einer Kurve liegt, fahren die meisten hier vorbei und erhaschen nur einen flüchtigen Eindruck.

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