Störungen im Job meistern:

Öfter mal „Jetzt nicht!“ sagen

Die Arbeit wäre gut zu schaffen – hätten Berufs­tätige nicht ständig mit Unterbrechungen zu kämpfen. Doch einfache Strategien helfen.

Ablenkungen bei der Arbeit ergeben aufsummiert zwei Tage in der Woche.
Marcus Fache Ablenkungen bei der Arbeit ergeben aufsummiert zwei Tage in der Woche.

Das Telefon klingelt, die Kollegin winkt, und eine dringende E-Mail muss beantwortet werden. Dabei gelang es doch gerade, eine wichtige Arbeitsaufgabe mit einer guten Idee zu lösen. Durch solche oder andere Ablenkungen bei der Arbeit kann ein guter Gedanke einfach verloren gehen. Das wusste bereits Albert Einstein, in dessen Haus es kein Telefon gab. Wer ihn erreichen wollte, musste beim Nachbarn anrufen und die Nachricht übermitteln lassen.

Für viele Arbeitnehmer gehören psychische Belastungen im Job durch Unterbrechungen zum Alltag, sagt Markus Schulte von der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (Baua). Er beruft sich dabei auf den Stressreport. Danach muss fast jeder zweite Angestellte (44 Prozent) seine Arbeit oft unterbrechen. Viele (60 Prozent) sind außerdem unter Druck, weil sie mehrere Aufgaben gleichzeitig erledigen. Für die Studie wurden die Angaben von fast 18 000 Arbeitnehmern ausgewertet.

Zu den typischen Arbeitsunterbrechungen gehören E-Mails, Telefonate, Gespräche mit Kollegen sowie streikende Technik – etwa ein nicht funktionierender Computer, erklärt Anja Baethge. Sie ist Psychologin und Autorin mehrerer Studien zum Thema Arbeitsunterbrechungen. Wenn die Konzentration erst einmal dahin ist, hat das meist Auswirkungen auf die Leistungsfähigkeit. Die Folge sei häufig, dass Fehler passieren oder Arbeitnehmer ihre Tagesziele nicht erreichen.

Multi-Tasking am besten ganz vermeiden

Doch nicht nur Unterbrechungen von außen belasten Berufstätige. Viele Angestellte zelebrieren Multi-Tasking und versuchen, mehrere Aufgaben gleichzeitig zu erledigen, erläutert Rigotti. Doch diese selbst gewählte Arbeitsstrategie ist keine gute Idee. Das menschliche Gehirn schafft es nicht, mehrere Aufgaben parallel zu erledigen. Stattdessen springt es dauernd sehr schnell zwischen den verschiedenen Problemen hin und her. Das strengt auf Dauer sehr an – Arbeitnehmer reagieren zunehmend gestresst und gereizt.

Viele Betroffene wissen nicht, wie sie auftretenden Belastungen begegnen können und leiden sehr unter der Situation. Es gibt aber eine Reihe von Maßnahmen, um das Stresslevel am Arbeitsplatz zu reduzieren. Zunächst sollten Berufstätige sich darüber klar werden, welche Störungen am Arbeitsplatz sie am meisten stressen. Dann sollten sie sich Strategien überlegen, um in künftigen Situationen gewappnet zu sein.

„Es empfiehlt sich, die Bearbeitung der Unterbrechungen soweit hinauszuzögern, bis die unterbrochene Aufgabe möglichst beendet ist“, rät Baethge. Wenn dies nicht gelingt, ist es sinnvoll, einen Notizzettel zu schreiben, auf dem der letzte Arbeits-schritt notiert wird, um das Gedächtnis zu entlasten. Multi-Tasking, also das gleichzeitige Bearbeiten der Unterbrechung und der unterbrochenen Aufgabe, vermeiden Arbeitnehmer am besten.