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Reittrainer: Ein Pferdenarr im kleinen Paradies

Veit Sonnenberg kümmert sich als Dienstleister um 24 Pferde in Voßhagen. Er gibt Reitstunden, bildet Pferde aus. Doch an Urlaub ist kaum zu denken.

Veit Sonnenberg bereitet ein Pferd für das Training vor.
Eckhard Kruse Veit Sonnenberg bereitet ein Pferd für das Training vor.

Wer in Voßhagen den Fuß aus dem Auto setzt, der tritt in ein kleines Paradies hinein. Der Blick kann über Koppeln und abgeerntete Felder in die Ferne schweifen. Und die Pferdesportler können von dem kleinen Dorf aus bis nach Varchentin und Groß Gievitz reiten. „Und das alles ohne eine große Straße zu überqueren“, betont Veit Sonnenberg. In diesem Paradies arbeitet er. Der 42-Jährige ist Pferdewart, Reittrainer und Pferdeausbilder in einem. 24 Pferde stehen im Voßhagener Stall, den der Reit- und Fahrverein Jürgenstorf betreibt. Veit Sonnenberg kennt alle mit Namen: Bela, Wilde, Fame, Graphit steht da etwa an den Boxen. „Es sind zumeist Warmblüter“, erläutert der selbstständige Reitwart. Zuletzt gesellte sich ein Westernpferd hinzu.

Der Morgen ist für Veit Sonnenberg die schönste Zeit am Reitplatz. Wenn die Landschaft sich noch in Nebel hüllt und die Sonne noch nicht so hoch steht, schließt er jeden Morgen um 7 Uhr den Stall auf. Er füttert die Tiere, reinigt die Boxen und führt die Pferde jenseits des Reitplatzes auf die Koppeln.

„Manchmal kommen vormittags auch schon Kunden“, erzählt der Reitwart. Manch einer reitet allein in die Landschaft hinaus. Andere, die vielleicht in Schicht arbeiten, nehmen um diese Zeit bei ihm Reitunterricht. Den brauchen auch eingefleischte Reiter, weiß Sonnenberg. Denn leicht schleichen sich sonst Haltungsfehler ein. „Und wenn jemand mal ein bisschen Angst vor Pferden hat, ist auch psychologische Arbeit wichtig.“

Der größte Batzen Arbeit wartet für Veit Sonnenberg am Nachmittag. Denn dann kommen die Kinder und Jugendlichen sowie die erwachsenen Reitschüler in den Stall, auf den Reitplatz und bei Regen und Eis in die Reithalle. Ob mit oder ohne Longe - er bringt ihnen bei, dass die Pferde das tun, was die Reiter wollen.

Der Arbeitstag von Veit Sonnenberg geht erst gegen 19 oder 20 Uhr zu Ende. „Im Winter auch erst um 21 Uhr“, sagt er. Denn in der Reithalle können nicht so viele Pferde gleichzeitig laufen wie auf dem Platz. Auch am Sonnabend und Sonntag geht es für den Pferdewart von seinem Wohnort Mittelhof nach Voßhagen. Frei gibt‘s nur am Sonntagnachmittag. An Urlaub ist gar nicht zu denken. „Ich bin selbstständig!“, begründet er. Nur manchmal im Jahr kann er ein Wochenende frei machen. Doch trotzdem wollte er nie einen anderen Job. Das Reiten auf dem Rücken der Pferde ist für ihn auch ein großer Lohn: „Wenn ich auf dem Pferd sitze, ist alles andere herum ausgeblendet“, erzählt er. Dann bleiben auch die Handys stumm.

Wie ist Veit Sonnenberg zum Pferdenarr geworden? Als Kind und Jugendlicher hat er in Ivenack unter Burkhard Jürgens in der Sektion Pferdesport trainiert. Er war Nachwuchssieger bei der Bezirksspartakiade und nahm an DDR-Juniorenmeisterschaften im Military teil. Er lernte in der Tierproduktion des Gutes Jürgenstorf und fing 1990 im Pferdezuchtstall in Voßhagen an.

Heute ist er Dienstleister für den Verein. Was über die Pflege hinausgeht, müssen die Pferdehalter bezahlen. Sonnenberg gibt aber auch außerhalb Stunden für Reiter und Pferde.