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Tätowierer: Die Haut der Zukunft ist bunt

Von einem Kumpel bekam er sein erstes Tattoo. Dann probierte er es selbst und war nicht mehr zu bremsen. Sven Greger macht seine Leidenschaft zum Beruf.

Tottoo Bible - auch die gibt es. Und Sven Greger, der in Teterow ein Studio hat, hat sie natürlich.
Simone Pagenkopf Tottoo Bible - auch die gibt es. Und Sven Greger, der in Teterow ein Studio hat, hat sie natürlich.

Die Nase drückt man sich vergeblich platt. Nichts zu sehen, was es da hinter der Schaufensterscheibe gibt, auf der in großen Lettern „Future Skin“ steht. Haut der Zukunft. „Wer sich interessiert, soll reinkommen.“ Sven Greger schmunzelt. Und die Leute kommen. Frau, Mann, jung, älter, bis über 60. Alle mit einem Wunsch - ein Tattoo.

"Man lernt tätowieren nicht übers Wochenende"

Sein Erstes hat sich Sven Greger von einem Kumpel machen lassen. Zuhause. Das ist etliche Jahre her. Aber damit war sein Interesse geweckt. „Ich muss mich mit allem befassen, ich bin so ein Mensch“, sagt der 35-Jährige. Also probierte er es selbst, erst an sich, dann an freiwilliger Verwandtschaft. Und war nicht mehr zu bremsen. „Man lernt tätowieren nicht übers Wochenende. Hautkunde ist wichtig. Es gibt Lehrgänge für die Grundtechniken. Ich habe bei alten Hasen viel gelernt, natürlich eigene Erfahrungen gemacht. Ein Tätowierer ist ein Künstler. Es ist schön zu sehen, was man mit Haut, Farbe und einer Nadel erschaffen kann.“

Drachen, Koikarpfen, Hannya-Masken, große Lotosblüten zum Beispiel. Adler und Wölfe, Namenszüge der Kinder. Ganz emotional symbolische Bilder als Erinnerung an einen Verstorbenen. Sven Greger hat eine Vielzahl an Motiven und fertigt Schablonen, mit denen er in der Regel arbeitet, selten Freihand. „Was die Leute sich ausgeguckt haben, kriegen sie auch“, sagt er. Wandelt seine Tattoos aber immer wieder ab, „gleiche mache ich nicht“. Bevor die erste Sitzung beginnt, gibt‘s eine Beratung. „Ich habe eine gute Menschenkenntnis. Wenn einer nicht weiß, was er haben will, muss er sich kein Tattoo machen lassen.“ 18 ist übrigens das Mindestalter. Zu Sven Greger braucht vorher auch keiner mit einer Erlaubnis der Eltern zu kommen. „Wenn, dann kommen die Eltern mit.“ Aber er weiß auch, dass, wer erst mal ein Tattoo hat, auch bald ein zweites haben will.

Körperlich anstrengende Arbeit: Nacken und Rücken beansprucht

Seit sieben Jahren tätowiert der gelernte Kfz-Mechaniker professionell. Hat seine Leidenschaft zum Beruf gemacht. Er schwört auf seine Cheyenne, eine Maschine, die ganz nach den Bedürfnissen von Tätowierern entwickelt wurde. „Sie ist immer steril, die Nadel habe ich gar nicht in der Hand. Sie arbeitet ganz leise und das Schmerzempfinden ist geringer“, meint Sven Greger. Körperlich anstrengend bleibt seine Arbeit trotzdem, sie gehe auf Nacken und Rücken, gerade wenn eine Sitzung bis zu viereinhalb Stunden dauert und weitere folgen. Es entstehen dann ganze Bilder, auf die man am Ende lange schauen kann und immer mehr entdeckt. „Das sind Tattoos, die richtig Spaß machen“, sagt der 35-Jährige und fügt hinzu: „Es ist Kunst und das wird es auch bleiben. Das Ziel, das jeder Tätowierer haben sollte, ist es, immer besser zu werden.“