Bildungsserie:

Teil 1: Wegweiser durch das Schulsystem

Wer gelangt wann und wie wohin? Öffentlich oder privat? Wo ist welcher Abschluss möglich? Das Bildungsministerium antwortet auf die wichtigsten Fragen von der Einschulungzum Abschlusszeugnis.

Wie ist das Schulsystem in MV gegliedert?
Seit Abschaffung der Hauptschule hat Mecklenburg-Vorpommern ein zweigliedriges Schulsystem mit öffentlichen und privaten Schulen. Die Grundschule dauert von Klasse 1 bis 4. In Klasse 5 und 6 folgt eine schulartunabhängige Orientierungsstufe. Danach geht es entweder an der Regionalen Schule weiter bis Klasse 10, auf dem Gymnasium bis Klasse 12 oder an einer Gesamtschule, die beide Bildungsgänge – Abschluss Klasse 10 oder 12 – anbietet. Für Schülerinnen und Schüler mit pädagogischem Sonderbedarf gibt es Förderschulen für acht Förderschwerpunkte: Lernen, geistige Entwicklung, emotionale und soziale Entwicklung, Hören, Sehen, körperliche und motorische Entwicklung, Sprache und den Unterricht kranker Schüler.

Wo werden die Schulanfänger angemeldet?
Die Kinder werden an der örtlich zuständigen Grundschule oder in einer Schule in freier Trägerschaft (Privatschule) angemeldet. In größeren Städten kann die Anmeldung auch bei der Stadtverwaltung erfolgen. Die lokale Presse oder Aushänge in den Kindertagesstätten informieren über die Termine und Fristen. Die örtlich zuständige Schule ist die Schule, in deren Einzugsbereich der Schüler wohnt. Auskunft dazu erteilen Amts- und Stadtverwaltungen. Größere Städte haben die Einzugsbereiche aufgehoben. Hier ist die Wahl nicht eingeschränkt.

Wer kann einen Überblick über mögliche Schulen geben?
Häufig ist es so, dass die Kommunen in ihren amtlichen Mitteilungsblättern die Schulen auflisten oder Broschüren herausgeben. Eltern können das Material in Stadt- oder Kreisverwaltungen beziehungsweise an den Grundschulen bekommen. Gemeinsam mit ihren Kindern sollten sie den „Tag der offenen Tür“ oder „Schnuppertage“ der Grundschulen nutzen, um die Häuser und Konzepte kennenzulernen.

Wann wird eingeschult?
Im Sommer werden alle Kinder eingeschult, die bis zum 30. Juni des Jahres sechs Jahre alt werden.

Unter welchen Bedingungen sind vorzeitige Einschulungen oder Rückstellungen möglich?
Auf Antrag der Erziehungsberechtigten können auch schon Kinder eingeschult werden, die bis spätestens 30. Juni des darauf folgenden Jahres sechs Jahre alt werden. In diesem Fall wird geprüft, ob die Kinder den Schulbesuch körperlich, geistig und sozial meistern können. Ebenfalls auf Antrag der Erziehungsberechtigten und einvernehmlich mit der Schulleitung kann die Einschulung um ein Jahr zurückgestellt werden. Das Ergebnis der schulärztlichen Untersuchung und die Einschätzung des schulpsychologischen Dienstes fließen in die Entscheidung ein. Die Rückstellung kommt nur dann in Betracht, wenn zu befürchten ist, dass ein Kind Entwicklungsrückstande trotz besonderer schulischer Fördermaßnahmen nicht aufholen kann.

Welche Voraussetzungen sind vor der Einschulung zu erfüllen?
Zwischen Jahresanfang und Ende Mai findet eine schulärztliche Untersuchung statt. Anders als in der Vergangenheit wird dabei seit zwei Jahren nur noch der Gesundheitszustand des Kindes festgestellt und keine Schulempfehlung mehr erteilt. Die pädagogische Beurteilung der Kinder erfolgt an der Grundschule. Sie kann dabei, die Zustimmung der Eltern vorausgesetzt, auf die Einschätzung der Kindertagesstätte zurückgreifen. In der Regel wird dann die Aufnahme in die Grundschule empfohlen.

Wer entscheidet über die Aufnahme an der Schule?
Die Schulleiterin beziehungsweise der Schulleiter entscheidet entsprechend der Aufnahmekapazität.

Besteht ein Recht, eine bestimmte Schule zu besuchen?
Grundsätzlich hat ein Kind nur einen Anspruch auf Aufnahme in die örtlich zuständige Schule, also in die Schule, in deren Einzugsbereich das Kind wohnt. Es besteht kein Recht, eine bestimmte Schule zu besuchen. An Standorten mit mehreren Grundschulen sind meist keine Einzugsbereiche festgelegt. Hier hat das Kind an einer ganz bestimmten Schule nur dann einen Aufnahmeanspruch, wenn die Aufnahmekapazität es erlaubt.

Welche Folgen hat es, wenn Eltern eine andere Schule wählen?
Das hat vor allem finanzielle Auswirkungen auf den Schulweg. Eltern sollten bedenken: Der Landkreis übernimmt die Transportkosten nur zur örtlich zuständigen Schule. Ausnahmen sind nur dann möglich, wenn Schüler ein bestimmtes Leistungsprofil (Spezialgymnasien, Produktives Lernen) außerhalb der örtlich zuständigen Schule benötigen.

Wie geht es weiter nach Klasse 4?
Mit dem Anspruch des längeren gemeinsamen Lernens folgt auf die Grundschule die zweijährige Orientierungsstufe, die an allen weiterführenden Schulen nach den gleichen Lehrplänen arbeitet. Die meisten Kinder im Land wechseln von der Grund- auf die Regionalschule. Der Weg auf eines der landesweit neun Spezialgymnasien für Sport (2 Standorte) und Musik (3) oder für die Hochbegabten-Klassen (4) führt über Eignungstests. Auch private Schulen werben mit einer Orientierungsstufe um fünfte Klassen. Die Entscheidung fällt nach den Winterferien. Eltern informieren die Grundschule, die Grundschule informiert den Schulträger, der Schulträger informiert die weiterführende Schule.

Wann fällt die Entscheidung über die weitere Schullaufbahn?
Im ersten Halbjahr von Klasse 6. Durch die Einführung der Orientierungsstufe hat sich die Entscheidung über die Schullaufbahn nach hinten verschoben: Von ehemals Klasse 4 der Grundschule auf Klasse 6 der Orientierungsstufe.

Wer entscheidet über die weiterführende Schule?
Die Lehrer sprechen eine Schulart-Empfehlung aus, die Entscheidung treffen die Eltern. Die Kinder, die nach der 6. Klasse ohne Empfehlung der Schule ans Gymnasium wechseln, absolvieren das erste Halbjahr der 7. Klasse als Probezeit. Danach entscheidet sich anhand der Leistungen, ob der Schüler am Gymnasium bleibt oder die Regionalschule besucht.

Wie lang dauert die Schulpflicht?
Mindestens neun Jahre. Haben Schüler in dieser Zeit keinen Abschluss erreicht, zählen sie als Schulabbrecher.

Wo sind welche Schulabschlüsse möglich?
Der Abschluss von Klasse 9 bringt die Berufsreife, der von Klasse 10 die Mittlere Reife. Auf der Fachoberschule legen sich die Schüler auf einen bestimmten Fächerkanon fest und erhalten die Fachhochschulreife, die ein Studium in bestimmten Fachrichtungen ermöglicht. Die allgemeine Hochschulreife – der Abschluss Abitur – lässt ein Studium in allen Fachrichtungen zu. Berufsreife und Mittlere Reife können an der Regionalen Schule und der Gesamtschule erworben werden, das Abitur wird an der Gesamtschule und dem Gymnasium abgelegt.

Wann sind Wechsel zwischen den Schularten möglich?
Grundsätzlich können Schüler nach der Jahrgangsstufe 6 von der schulartunabhängigen Orientierungsstufe an die Regionale Schule, die Gesamtschule oder das Gymnasium wechseln. Weist das Jahreszeugnis in den Fächern Deutsch, Mathematik und beiden Fremdsprachen einen besseren Notendurchschnitt als 2,5 auf, so können Schüler auch nachträglich in den Klassen 7 bis 9 auf Antrag der Eltern und mit Zustimmung ihrer Klassenkonferenz an ein Gymnasium wechseln.
Zudem gibt es den Wechsel unter Zwang: Wer in der Oberstufe des Gymnasiums zweimal die Versetzung verpatzt, wird in die Regionalschule zurückgestuft.

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