Bildungsserie:

Teil 6: Förderung für Sportskanonen und Schlauberger

Sportlich, musisch, hochbegabt – neun öffentliche Gymnasien im Land nehmen Kinder ab Klasse 5 auf. Die Plätze sind begrenzt, Eignungstests entscheiden.

Lina lernt am Sportgymnasium

 Manchen gilt es als abgehoben und elitär, manche setzen Himmel und Hölle  in Bewegung, damit ihre Kinder es erreichen – das Gymnasium ab Klasse 5, laut Schulgesetz gedacht für Schüler mit Talent in Sport, musischer Begabung oder überdurchschnittlicher Intelligenz. Neun öffentliche Gymnasien nehmen Mädchen und Jungen in die Jahrgangsstufe 5 auf – die Sportgymnasien Neubrandenburg und Schwerin; die Goethe-Gymnasien Demmin und Schwerin und das Kollwitz-Gymnasium Rostock (Musik); das Humboldt-Gymnasium Greifswald, das Einstein-Gymnasium Neubrandenburg, das Gymnasium Reutershagen in Rostock und das Fridericianum Schwerin (kognitive Hochbegabung). Der Weg dorthin führt über eine Bewerbung und Eignungstests im ersten Halbjahr von Klasse 4.

 

Es geht um Förderung und darum, dafür die geeigneten Kinder zu finden, so heißt es im Schulamt Schwerin. Im Jahr 2009 hat die Behörde gezählt, wie viele Schweriner Grundschüler ab Klasse 5 aufs Gymnasium gingen: 8,5 Prozent kamen an die Sportschule, 7,5 Prozent aufs Musikgymnasium und 1,4 Prozent ins Fridericanum. 
Die Sportlaufbahn beginnt meist im Sportverein. Oft schreiben die Vereine Empfehlungen oder unterstützen die Aufnahmeprüfungen. Die Musikgymnasien entscheiden nach Einzeltests. Druck im Bewerbungsverfahren ist keine Seltenheit. Eltern, die sich mit in die Vorspiele drängeln. Musikschulen, die mit Trainingskursen auf die Entscheidung hinarbeiten.

 

Musische Begabung müssen sie mitbringen

 

Cordula Scheibel, Schulrätin für Gymnasien und Gesamtschulen in Schwerin, klingt fast erleichtert, wenn sie sagt: „Diesen Test können Kinder mit Kenntnissen aus dem normalen Musikunterricht der Grundschule bestehen.“ Sofern sie das  einzig Entscheidende mitbringen – musische Begabung.

 

Über die Intelligenztests für die Begabtenklassen gibt Cordula Scheibel wenig  preis. Nur so viel: Es handelt sich um Gruppentests in drei Teilen und eine aufwändige Auswertung für jedes einzelne Kind. Aufnahmebedingung ist ein Intelligenzquotient über 130. Bei Werten knapp darunter ist ein zweiter, individueller Test beim Schulpsychologen möglich. „Es ist ein Thema, das immer wieder hochkocht“, sagt die Schulrätin.

 

"Bloß einfach mal so zum Test"

 

Offenbar bleiben längst nicht alle Eltern kritisch, wenn sie die Chancen und das Leistungsvermögen ihrer Kinder beurteilen. Sie legen eigene Intelligenz-Tests  vor oder schicken ihre Kinder „bloß einfach mal so zum Test“. Dabei wurden sogar schon unterdurchschnittliche Geistesleistungen festgestellt. Ohne Not wohl eine durchaus verzichtbare Erkenntnis.

 

In diesem Schuljahr gab es für die Begabtenklassen  in Schwerin gut 200 Bewerber,  bislang erhielten 25 die Zusage. „Nur 2,1 Prozent einer Altersgruppe sind hochbegabt“, betont Cordula Scheibel.  Damit sie genug Futter bekommen, können Lehrer ein höheres Tempo anschlagen,  Zusatzaufgaben erteilen oder stundenweise Abstecher in höhere Jahrgänge ermöglichen. Das Abiturzeugnis der Schlauberger indes unterscheidet sich nicht von dem   anderen Abiturienten, abgesehen von einer Notiz über ihre speziellen Klassen.

Nordkurier: Samsung Galaxy Tablet ohne Anzahlung