Bildungsserie:

Teil 7: Freie Schulen: Wo Bildung extra kostet

Fast jeder zehnte Schüler im Land lernt an einer Schule in freier Trägerschaft. Die Zahl privater Schulen hat sich in den vergangenen elf Jahren mehr als verdoppelt: Derzeit gibt es 74.

Ecolea Schule Schwerin

Rund 12700 Mädchen und Jungen wurden in Mecklenburg-Vorpommern im vergangenen Jahr an allgemein bildenden Schulen in freier Trägerschaft unterrichtet. Damit hat sich ihre Zahl innerhalb von sieben Jahren verdoppelt – während die Zahl der Schüler im Land insgesamt sank. Inzwischen besuchen gut neun Prozent der Kinder  private Schulen. Während es 2001 nur 34 Privatschulen gab, sind es mittlerweile 74. In Rostock und Schwerin gibt es je neun Privatschulen, in Greifswald sind es fünf, in Neubrandenburg vier. Einige Schulen betreuen nur Kinder im Grundschulalter, andere nur Gymnasiasten, die nächsten verbinden mehrere Schularten miteinander. Den größten Anteil  haben mit gut 50 Schulen die Grundschulen. Damit betreiben freie Träger inzwischen ein Sechstel der Grundschulen im Land.

Laut Gesetz sollen die Privatschulen das staatliche Schulsystem „ergänzen“. Wir geben einen Einblick, mit dem aber keinerlei Wertung verbunden ist.

Die private Grundschule: Die „Kinderkunstakademie“ in Rostock ist eine Grundschule mit schulartunabhängiger Orientierungsstufe – und sie hat für ihre Schüler auch in den Ferien geöffnet. „Wir unterrichten nach Inspirationsthemen“, sagt Schulleiterin Manuela Wilfert. Ein halbes Jahr lang wird der Unterricht jeweils an einem Motto ausgerichtet. Wenn es „Pinguine“ lautet, dann werden die Vögel nicht nur gemalt. In Mathe rechnen die Kinder aus, wie schnell sie schwimmen müssen, um mit einem Pinguin mitzuhalten. In Philosophie überlegen sie, wie es wäre, wenn ein Mensch wie ein Pinguin leben müsste. Zwar seien Kunst und Kultur für die Entwicklung der Kinder sehr wichtig, so Wilfert, zu Künstlern werden sie an der Kinderkunstakademie jedoch nicht ausgebildet. Schulträger ist der Verein „Institut für Leben und Lernen“, der dem Paritätischen Wohlfahrtsverband angehört. Schul- und Betreuungsgeld betragen150 Euro pro Monat.

Ein privates Gymnasium: Das-andere-Gymnasium in Neubrandenburg nimmt nur Schüler auf, die die Grundschule mit einem Notendurchschnitt von 2,0 oder besser abgeschlossen und einen zusätzlichen Test bestanden haben. „Wir wollen die Lernfreude auch in den oberen Klassen erhalten und das versuchen wir durch eine gewisse Homogenität“, sagt Steffen Max Metelka, Mitbegründer der Schule. Wer einen Durchschnitt von 1,3 oder besser erreicht, bekommt einen Teil vom Schulgeld erlassen. Das beträgt für die derzeit 240 Schüler 195 Euro im Monat. Am Nachmittag stehen vor allem die Hausaufgaben und freiwillige Lernangebote im Mittelpunkt. Die Schule bietet laut Metelka moderne Lernateliers und ein junges Kollegium. Unterrichtsausfall habe es noch nicht gegeben. Einmal im Jahr wird der „Sozialkompetenzpreis ,klasse Typ’“ vergeben.

Waldorf- und Montessori-Schulen: Schulen mit reformpädagogischem Ansatz zeichnet  auf den ersten Blick aus, dass es keine Zensuren gibt, niemand ausgeschlossen wird, niemand sitzen bleibt und dass die Kinder ihr Lerntempo individuell mitbestimmen. Zu den bekanntesten zählen  Waldorf- und die Montessori-Schulen. Die auf die Italienerin Maria Montessori zurückgehenden Schulen wollen den Kindern zu Selbstständigkeit verhelfen. „Hilf mir, es selbst zu tun“, ist ein Leitsatz.  Freiarbeit in jahrgangübergreifenden Klassen ist Zentrum der Unterrichtszeit.

Die Waldorf Schulen gehen auf Rudolf Steiner (1861 – 1925) zurück, laut dem Kinder bestimmte Entwicklungs- und Lernphasen durchlaufen. Anfangs lernen sie eher „bildhaft“, später kommt das „wissenschaftliche“ Lernen hinzu.  Waldorf-Schulen wollen in festen Klassenverbänden auch kreative, künstlerische, praktische und soziale Fähigkeiten entwickeln. Vom ersten Schuljahr an lernen Waldorfschüler zwei Fremdsprachen. Jungen und Mädchen stricken und nähen, sägen und hämmern gemeinsam. Einzigartig  ist das Fach Eurythmie, eine besondere Mischung aus Gebärden und Tanz. 

Schulen mit kirchlichen Wurzeln: Der größte Anteil der privaten Schulen in Mecklenburg-Vorpommern wird von Trägern mit kirchlichem Hintergrund betrieben. Einer davon ist die Evangelische Schulstiftung mit rund 2400 Schülern an 21 Schulen, die größtenteils durch Elterninitiativen entstanden sind. „Die  Schulen sind einer guten Bildung verpflichtet und haben eine klare Ausrichtung aufs Evangelium und auf ein christliches Menschenbild“, sagt Helmut Hanisch, Vorsitzender der Stiftung. Die Schulen der evangelischen Schulstiftung orientieren sich in der Regel an Reformpädagogen.  Trotz der christlichen Ausrichtung ist nur knapp die Hälfte der Schüler getauft. Die Schulen seien offen für alle Kinder, so Hanisch. Alle Schulen der Stiftung arbeiten mit einer Kirchengemeinde zusammen. Gottesdienste, Andachten und das Tischgebet vor dem Essen im Hort gehören dazu. Das Schulgeld betrage in der Regel zwischen 40 bis 80 Euro pro Monat und sei meistens vom Einkommen der Eltern abhängig. Auch die Diakonie und die Katholische Kirche engagieren sich als Träger von Schulen.

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