Bildungsserie:

Teil 8: Telefonforum rund um das Thema Schule

Ab Punkt 14 Uhr haben Montag die Telefone beim Leserforum unserer Zeitung geklingelt – und das geschlagene zwei Stunden lang. Gemeinsam mit Bildungsminister Mathias Brodkorb (SPD) haben Landesschulrat Matthias Zwerschke und Ewald Flacke, Referatsleiter weiterführende Schulen in der Schulabteilung, Dutzende Fragen beantwortet. Hier ein Auszug:

Schüler

 Unsere Grundschule hat für Klassenfahrten viel weniger Geld bekommen als erwartet und beantragt. Wir als Elternvertreter  bemühen uns nun zwar um andere Geldquellen, doch fragen wir uns, ob es sich das Land so nicht doch etwas zu einfach macht?

Ewald Flacke: Das Land hat die Mittel für die Klassenfahrten in den vergangenen drei Jahren von 200 000 auf 500 000 Euro aufgestockt und entschieden, die Mittel nach einem Pro-Kopf-Schlüssel auf die unterschiedlichen Schularten zu verteilen.  Derzeit sind wir zum ersten Mal in der Situation, dass wir abwarten müssen, ob und wie die Schulen das Geld abrufen. In diesem Zusammenhang steht aber auch immer wieder die Frage, welche Anträge  angemessen sind. Muss es für ein Kunstgymnasium wirklich die Skireise nach Südtirol sein? Oder wäre eine Kunstreise auf den Darß nicht günstiger, sowohl inhaltlich als auch finanziell?

Ich habe ein geistig behindertes Kind, das ich nicht in der örtlich zuständigen Schule unterbringen konnte. Mein zweites Kind soll nun aber partout an der örtlich zuständige Schule angemeldet werden. Für mich als Mutter bringt das nahezu unüberwindliche logistische Probleme mit sich.  Zudem wäre es für die Geschwister viel günstiger, wenn sie zusammenbleiben könnten. Was kann ich tun?

Mathias Brodkorb: Für solche Fälle besteht die Möglichkeit, eine Härtefallentscheidung herbeizuführen.  Darum sollten Sie  sich bemühen, indem Sie Ihre Situation schriftlich schildern und darlegen, welche Folgen sich daraus ergeben. Sie können sich an das Schulamt oder am besten gleich ans Ministerium wenden.

 

Ich bin 35, lebe in Schwerin und bin als verbeamteter Lehrer in Schleswig-Holstein beschäftigt. Sehr viel lieber aber würde ich  in Schwerin arbeiten. Wie stehen meine Chancen, das künftig  als verbeamteter Lehrer zu tun?

Mathias Brodkorb: Wir befinden uns derzeit in einem intensiven, politischen  Diskussionsprozess zu genau diesem Thema. Ich kann jeden gut verstehen, der sagt, angesichts des Lehrermangels ist die Verbeamtung notwendig. Ihnen würde ich raten, die öffentlichen Debatten aufmerksam zu verfolgen. Ich halte es für nicht ausgeschlossen, dass Sie Anfang kommenden Jahres eine Bewerbung abschicken können.

An der Regionalen Schule Boizenburg fällt in Klasse 5 der Englischunterricht aus, weil der Lehrer krank ist. Nun ist auch noch die Vertretung ausgefallen. Was können wir tun?

Ewald Flacke: Es ist besonders wichtig, den Anfangsunterricht in Englisch fachspezifisch zu vertreten. Dort werden die Grundlagen für das Fach gelegt und Motivationen geschaffen. Boizenburg hat wie andere Schulstandorte nahe der Landesgrenze auch Probleme, geeignete Lehrkräfte zu finden.
Das Schulamt Schwerin wird für Ihre Schule Möglichkeiten einer Vertretung prüfen, möglicherweise auch unter Einbeziehung der Lehrkräfte vom Gymnasium Boizenburg. Langfristig müssen wir auch erwägen, attraktive Angebote für Muttersprachler zu unterbreiten. Damit haben wir in den 90er-Jahren gute Erfahrungen gemacht.

An unserer Grundschule sind etliche schwierige Schüler. Wie könnten wir  zu einem Schulsozialarbeiter kommen?

Matthias Zwerschke: Zunächst sollte die Elternvertretung Kontakt zur Schulleitung aufnehmen, um einen Antrag in die Schulkonferenz einzubringen. Dort sitzt der Schulträger mit im Boot, der einen Sozialarbeiter einstellen oder einen freien Träger damit beauftragen könnte. Allerdings muss er die Kosten für eine solche Stelle tragen. Das Landesprogramm „Lehrer in der Schulsozialarbeit“ läuft aus, eine verständliche Entscheidung in Zeiten stark wachsenden Lehrerbedarfs.

Wer hat darüber zu entscheiden, welche Schule die örtlich zuständige Schule wird?

Matthias Zwerschke: Über die Schuleinzugsbereichssatzung haben die Kreistage  zu entscheiden. Die  Großkreise sind dabei, die  Schuleinzugsbereiche den neuen Gegebenheiten anzupassen.  Zwar besteht – mit Ausnahme der Grundschulen – das Recht auf freie Schulwahl, die Kosten für den Schülertransport tragen die Landkreise allerdings nur zu den örtlich zuständigen Schulen.

 

Unser Sohn ist in  Klasse 10 am Sportgymnasium. Er will kein Abitur machen, sondern eine  Ausbildung. Der Betrieb will ihn aber erst im kommenden Jahr nehmen. Sollte er sich in der Zwischenzeit lieber um ein Praktikum bemühen oder um einen besseren Abschluss der 10. Klasse?

Mathias Brodkorb: Das ist zwar kein Problem von Politik, sondern einzig eine Entscheidung Ihrer Familie. Wenn ich einen Rat erteilen sollte, würde ich versuchen, meinen Sohn zu überzeugen, die 10. Klasse zu wiederholen und sein Abschlusszeugnis zu verbessern. Das bleibt ihm fürs ganze Leben, und da steht man doch mit einem guten Zeugnis  besser da als mit einem  schlechten.

Stimmt es, dass man die Fachhochschulreife bekommen kann, ohne die Abiprüfung bestanden zu haben? Unter welchen Bedingungen?

Matthias Zwerschke: Ja, das stimmt. Da gibt es mehrere Möglichkeiten.
1. Man kann nach der 11. Klasse das Gymnasium verlassen, wenn man entsprechende Leistungen erreicht hat. Dann kann die Schule auf Antrag den so genannten schulischen Teil der Fachhochschulreife feststellen und bescheinigen. Wenn dann noch ein mindestens einjähriges Berufspraktikum absolviert wird, kann die Zuerkennung der Fachhochschulreife insgesamt beim Bildungsministerium beantragt werden. Die Zuerkennung berechtigt dann zum Studium an einer Fachhochschule.
2. Diese Möglichkeit besteht auch für den Fall, dass die Abiturprüfung nach der 12. Klasse nicht bestanden wurde.
3. Wer nach abgeschlossener Berufsausbildung die einjährige Fachoberschule besucht, kann nach erfolgreichem Abschluss ein Fachhochschulstudium aufnehmen.

Unsere Tochter wird die Realschule voraussichtlich mit einem Schnitt von 2 abschließen. Kann sie dann in die 11. Klasse eines Gymnasiums wechseln?

Ewald Flacke: Am besten ist, sie entschließt sich schon in der 9. Klasse für einen Wechsel ans Gymnasium ab der 10. Klasse, denn die 10. Klasse gehört als Einführungsphase zur Abiturstufe dazu. Für diesen Fall muss sie einen besseren Notendurchschnitt als 2,5 in den Fächern Deutsch, Mathematik und in den beiden Fremdsprachen haben.
Bei einem Wechsel nach der 10. Klasse von der Regionalschule ans Gymnasium muss dort die 10. Klasse als Einführungsphase der gymnasialen Oberstufe wiederholt werden, und der Notendurchschnitt sollte beim Wechsel ans Gymnasium mindestens bei befriedigend sein.

 

Wir wollen unseren Sohn auf eine Gesamtschule schicken, damit er leichter zwischen den Bildungsgängen wechseln könnte. Die nächste ist allerdings runde 25 Kilometer entfernt. Müssen wir die Fahrtkosten selbst tragen?

Mathias Brodkorb: Wenn es die örtlich zuständige Gesamtschule ist, brauchen Sie die Fahrkosten nicht selbst zu tragen, dann kommt dafür der Landkreis auf. Sollte es sich aber um eine andere als die örtlich zuständige Gesamtschule handeln, müssen Sie die Fahrkosten selbst tragen.

Unser Kind soll eine andere als die örtlich zuständige Schule besuchen. Muss der Landkreis jetzt gar nicht mehr für den Schulweg aufkommen, oder muss er zumindest so viel Geld  geben, wie er für die Fahrt zur zuständigen Schule bezahlen würde?

Ewald Flacke: Nein, das muss der Landkreis nicht. Es gibt keinen Anspruch darauf, die Fahrkosten ersetzt zu bekommen, wenn man eine andere als die örtlich zuständige Schule wählt, auch nicht anteilig. Interessierte Eltern sollten sich konkret bei ihrem Schulträger informieren, inwieweit sie unterstützt werden können.

 

Wir überlegen, unsere Tochter nach der Regionalschule aufs Fachgymnasium zu schicken. Legt sie sich damit auf ein Schmalspur-Abitur fest, das nur  für Fachhochschulen gilt?

Matthias Zwerschke: Nein, von einem Schmalspur-Abitur kann keine Rede sein, sie ist damit nicht auf ein Fachhochschulstudium festgelegt. Das Fachgymnasium schließt mit der zentralen Abiturprüfung ab und verleiht die allgemeine Hochschulreife, also kann sie dann auch – sicherlich bevorzugt in der Fachrichtung, die sie gewählt hat – ein Hochschulstudium aufnehmen. Das Fachgymnasium setzt die Mittlere Reife oder einen anerkannten Berufsschulabschluss voraus.

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