Bildungsserie:

Teil 9: Neue Sitten, neue Sprache, neue Leute

Austauschschüler müssen bereit sein, sich auf eine andere Lebensart einzulassen. Anita Doherr aus Schwerin zog es in den hohen Norden.

Norwegischer Nationalfeiertag

 Elchfleisch statt Schnitzel zum Mittag, Schüler, die die Lehrer duzen, Schnee von Oktober bis April. In Norwegen hat Anita Doherr vieles erlebt, was in Deutschland zumeist undenkbar ist. Doch das war auch ihr Ziel, als sie sich für ein Schuljahr im Ausland entschied. „Ich wollte nicht nur eine neue Sprache lernen, sondern auch eine fremde Kultur erleben“, erzählt die 18-Jährige. Nach der 10. Klasse packte die damals 16-Jährige ihre Koffer und zog aus der mecklenburg-vorpommerschen Landeshauptstadt nach Våler i Solør, einem kleinen Dorf rund zweieinhalb Stunden nordöstlich von Oslo. Ein großes Holzhaus mit drei Wohnzimmern und Kamin, von Wald, Feldern und Flüssen umgeben, war für zwölf Monate ihr Zuhause. Angst, Heimweh zu bekommen oder sich mit der Gastfamilie nicht zu verstehen, habe  sie damals nicht gehabt. „Ich habe mich einfach nur auf dieses Jahr gefreut“, sagt Anita Doherr.

Norwegen hatte sie bei ihrer Bewerbung bei der Austauschorganisation „Deutsches Youth for Unterstanding Komitee“ (YFU) als ersten Wunsch angegeben. Eine Urlaubsliebe sozusagen. „Wir waren mal in den Ferien dort. Ich finde Norwegen sehr schön“, sagt Anita Doherr. In ihrer Gastfamilie – Mutter Grundschullehrerin, Vater bei der Kommune tätig  – wurde sie mit offenen Armen aufgenommen. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass es eine bessere Gastfamilie gibt“, ist die Schwerinerin auch ein Dreivierteljahr nach ihrer Rückkehr noch immer begeistert.

Die Gasteltern fuhren mit ihrer Tochter auf Zeit an die Küste und ins Theater nach Oslo, flogen zu Bekannten in den Norden und machten kurze Ausflüge nach Schweden. Auch bei der Ski-Weltmeisterschaft in Oslo waren sie dabei. Kein Wunder: Der Gastvater ist im heimischen Sportverein Skisprungtrainer. Auch Anita trainierte dort – allerdings nicht auf der Schanze. Die Sportgymnasiastin zog Leichtathletik, Fußball und Taekwondo vor.

Nicht nur Urlaub und Freizeit, auch normaler Unterricht

Nicht nur in der Schule, auch sonst würden die Norweger deutlich entspannter leben als die Deutschen. „Der Alltag ist nicht so streng strukturiert wie hier“, erklärt die junge Schwerinerin. „Und weil alle Leute mit ,Du’ angesprochen werden, hat man zu allen gleich ein freundschaftliches Verhältnis.“

Viel Skilanglauf - irgendwann nervt das

Gab es auch etwas, das nicht so toll war? Da muss Anita sehr lange überlegen. „Naja, wir haben ziemlich oft Skilanglauf gemacht, weil ja von Oktober bis April Schnee lag. Da hatte ich manchmal keine richtige Lust mehr“, sagt sie, um gleich wieder einzuschränken: „Aber wenn wir dann unterwegs waren, war es immer lustig.“ Es sei für Austauschschüler wichtig, auch offen für Dinge zu sein, die sie von zu Hause nicht kennen.

Nach ihrer Rückkehr kam Anita Doherr nicht in die 12., sondern in die 11. Klasse. Ein verlorenes Jahr? „Ich habe damit kein Problem. Ich habe so viele Erlebnisse gehabt und so viele neue Erfahrungen gesammelt, dass es trotzdem ein gewonnenes und kein verlorenes Jahr ist“, sagt sie bestimmt. Zu ihrer norwegischen Gastfamilie hat sie noch immer Kontakt – und das soll auch so bleiben. Die Gasteltern waren bereits in Schwerin, und im Sommer fliegt Anita mit Familie in den Norden.
 

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