Erst zum Arzt?:

Was beim Gesundheitscheck für den Job erlaubt ist

Rückenschmerzen oder Migräne? Nicht jeder Bewerber ist gesund. Verlangen potenzielle Arbeitgeber einen Test, sind die Sorgen oft groß. Kristin Kruthaup hat Fragen und Antworten zusammengetragen.

Vor dem ersten Arbeitstag zum Betriebsarzt? Das wird öfter von Bewerbern verlangt. Foto: Monique Wüstenhagen
Monique Wüstenhagen Vor dem ersten Arbeitstag zum Betriebsarzt? Das wird öfter von Bewerbern verlangt. Foto: Monique Wüstenhagen

Das Vorstellungsgespräch ist überstanden. Die neue Stelle scheint zum Greifen nah – doch dann gibt es eine Besonderheit: Der Arbeitgeber verlangt einen Gesundheitscheck.

Kann der Arbeitgeber Bewerber zum Gesundheitscheck verpflichten?

Nein, sagt Professor Björn Gaul, Fachanwalt für Arbeitsrecht in Köln. Es ist immer die Entscheidung des Bewerbers, ob er ihn macht oder nicht. Aufgrund des Rechts auf körperliche Unversehrtheit und auf informationelle Selbstbestimmung kann rein rechtlich niemand dazu verpflichtet werden. In der Praxis sieht das aber häufig anders aus. „Es gibt oft eine Art faktischen Zwang“, erläutert Professor Jobst-Hubertus Bauer, Fachanwalt für Arbeitsrecht aus Stuttgart. Mancher Arbeitgeber handelt nach dem Motto: Entweder Du machst die Untersuchung und bringst mir das Zeugnis, oder ich gebe die Stelle einem anderen Bewerber, der dazu bereit ist.

Wieso wird der Gesundheitscheck verlangt?

In einigen Berufen ist der Arbeitgeber gesetzlich dazu verpflichtet, erklärt Bauer. Das ist etwa bei Piloten und Medizinern der Fall – oder bei Mitarbeitern, die mit Produkten der Lebensmittel- oder Pharmaziebranche in Berührung kommen. Hier will der Gesetzgeber sicherstellen, dass von Mitarbeitern mit ansteckenden Erkrankungen keine Gefahr für die Allgemeinheit ausgehen kann. Gesetzlich vorgeschrieben ist eine Erstuntersuchung auch bei Jugendlichen, die unter 18 Jahre alt sind und ins Berufsleben starten. Sie sollen keine Arbeit machen, zu der sie körperlich nicht in der Lage sind, erläutert Sven Thora von der Arbeitnehmerkammer Bremen.

Wie sehen die Gesundheitstests aus?

Häufig verlangt der Arbeitgeber ein Gesundheitszeugnis. Das kann zum Beispiel der Hausarzt ausstellen, erklärt Thora. In dem Zeugnis bestätigt der Mediziner, dass ein Bewerber für eine bestimmte Tätigkeit geeignet ist oder nicht. Details zum Gesundheitszustand enthält es nicht. Manchmal soll aber auch ein Test gemacht werden. Wie der aussieht, hängt vom Arbeitgeber ab und von dem Beruf, für den Jobsuchende sich bewerben. Auch hier darf der Arzt grundsätzlich nur Untersuchungen machen, die gesetzlich vorgeschrieben oder für die Feststellung der Arbeitsfähigkeit erforderlich sind und denen der Mitarbeiter zugestimmt hat, erläutert Professor Gaul. Ein Beispiel dafür wäre, dass Piloten eine bestimmte Sehfähigkeit haben müssen.

Müssen Mitarbeiter die Untersuchung beim Betriebsarzt machen?

Nein, sagt Sven Thora. Es gibt einen Anspruch auf freie Arztwahl – und die gilt auch im Arbeitsverhältnis. Gelegentlich seien Klauseln im Arbeitsvertrag zu finden, die die Arztwahl einschränken. Dort steht dann zum Beispiel, dass bei Problemen zuerst der Betriebsarzt aufgesucht werden muss. Solche Klauseln sind jedoch unzulässig.

Was darf der Betriebsarzt dem Arbeitgeber mitteilen?

Der Betriebsarzt unterliegt wie jeder Mediziner der ärztlichen Schweigepflicht. Was er dem Arbeitgeber mitteilen darf, hängt davon ab, was der Bewerber ihm erlaubt. In der Regel gibt der Betriebsarzt nach der Untersuchung lediglich seine Einschätzung ab, ob der Mitarbeiter zur Ausübung des Jobs gesundheitlich in der Lage ist oder nicht. Er darf aber keine Untersuchungsbefunde weitergeben. Testet er zum Beispiel einen Mitarbeiter positiv auf Drogen, darf er das dem Arbeitgeber nicht mitteilen. Er kann dann nur sagen, dass jemand für die Ausübung des Jobs nicht infrage kommt.

Worauf sollten Mitarbeiter achten?

Wichtig ist, dass sie keiner generellen Aufhebung der Schweigepflicht zustimmen, rät Thora. Denn grundsätzlich gilt: Mit der Zustimmung darf der zuständige Mediziner nicht nur fast alles testen – er darf die Ergebnisse dann auch im Detail an den Arbeitgeber weitergeben.

Darf der Personaler im Bewerbungsgespräch nach der Gesundheit fragen?

Das kommt ganz darauf an. Fragen zum Gesundheitszustand sind nur dann zulässig, wenn sie für die Ausübung des Jobs wirklich relevant sind, erläutert Thora. So darf zum Beispiel ein Bewerber für eine Stelle als Lkw-Fahrer gefragt werden, ob er in der Vergangenheit Probleme mit Alkohol hatte. Haben die Fragen allerdings keinen unmittelbaren Zusammenhang zur ausgeübten Tätigkeit, sind sie tabu.

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