Der Weg in die Selbstständigkeit:

Zwei Firmen – eine Familie

Manchmal kann eine Kündigung zu einem unerwarteten beruflichen Neustart werden. Diese Erfahrung haben Marion und Marten Dambeck gerade gemacht. Dabei wachsen sie auch als Familie noch enger zusammen.

Marion und Marten Dambeck haben sich getraut: Prvat vor 12 Jahren, in die Selbstständigkeit in diesem Jahr. In der Wollweberstraße befindet sich ihr geminsames Büro. Foto Ute Ziemann  
Marion und Marten Dambeck haben sich getraut: Prvat vor 12 Jahren, in die Selbstständigkeit in diesem Jahr. In der Wollweberstraße befindet sich ihr geminsames Büro. Foto Ute Ziemann  

„Eine Selbstständigkeit habe ich nie angestrebt“, gibt Marten Dambeck offen zu. Er sei ein gebranntes Kind, habe negative Folgen des Scheiterns in der Verwandtschaft miterleben müssen. „Doch mir blieb letztendlich keine andere Wahl, denn von Hartz IV will ich nicht leben“, sagt er bestimmt.

Vor vier Jahren kam der gebürtige Rüganer mit seiner jungen Familie nach Friedland. Da war für den Familienvater die Welt noch in Ordnung. Das jüngste der vier Kinder war gerade geboren. Er wurde Produktionsleiter in einer Friedländer Druckerei und in der Kleinstadt fühlte man sich von Anfang an zu Hause. Zwei Jahre später konnte Ehefrau Marion als Texterin für den Web-Bereich in der Druckerei anfangen. „Da es sich um eine Teilzeitstelle handelte, passte alles“, erzählt Marion Dambeck. „Am Vormittag konnte ich einer Arbeit nachgehen, die mir Spaß macht und am Nachmittag meine Kinder betreuen.“

Umso schwerer war der Schlag, als Ende 2012 das Aus für die Firma kam. Nun waren gleich beide von Arbeitslosigkeit betroffen. Marion Dambeck überlegte nicht lange. Sie gründete bereits im Januar ein Kleinunternehmen und machte sich als Texterin selbstständig. „Das Schreiben hat mir immer schon gelegen“, sagt die couragierte junge Frau. Deshalb habe sie ja Germanistik studiert. „Aber ich wollte auch eine große Familie und das habe ich nicht bereut.“ Neben Kindererziehung und Haushalt hatte sie schon früher stundenweise bei verschiedenen Verlagen als Texterin oder im Lektorat gearbeitet. „Dabei habe ich gemerkt, dass es mir Spaß macht, interessante Inhalte in gut lesbare Worte zu fassen – und so war der Schritt in die Selbstständigkeit nicht schwer“, sagt die 32-Jährige.

Ehemann Marten schrieb indessen Bewerbung um Bewerbung und verschickte sie deutschlandweit. Zwölf Jahre hatte er als Mediengestalter in verschiedenen Verlagen gearbeitet, sich aber nie selbst bewerben müssen – immer wurde er gefragt. „Die Situation war völlig neu für mich und irgendwie frustrierend“, gesteht er ein. Denn obwohl er sich deutschlandweit bewarb und zum Umzug bereit war, öffnete sich keine Tür. „Überqualifiziert oder zu teuer“, bekam der 32-Jährige zur Antwort.

Marion Dambeck hatte inzwischen erste Aufträge erhalten. Sie war es, die ihren Mann anschubste, über eine Selbstständigkeit nachzudenken. „Wir haben viel darüber geredet, bis der Entschluss feststand“, sagt Marten Dambeck. „Aber der Schritt war für mich nicht leicht. Schließlich wiegt die Last schwer, eine Familie mit vier Kindern zu versorgen.“ Von der Arbeitsagentur erhielt er die nötige Unterstützung und bis November noch den Gründerzuschuss. „Das gibt schon ein bisschen Sicherheit“, weiß er diesen zu schätzen.

Erste Ergebnisse gemeinsamer Arbeit

Doch kaum hatte er die neue berufliche Laufbahn gestartet, bekam er Jobangebote. „Plötzlich wollte man mich und ich sagte: ,Nein‘. Das war schon ein komisches Gefühl“, erzählt er.

Seit Mai ist Marten Dambeck als freiberuflicher Mediengestalter tätig. Er erledigt Aufträge für Firmen aus der Region, Berlin und Süddeutschland. Dafür muss er auch ab und zu für ein paar Tage unterwegs sein. „Aber das meiste kann ich von zu Hause aus erledigen“, betont er mit Blick auf seine Frau, denn er weiß, dass sie an diesen Tagen mit Kindern, Haushalt und Arbeit allein da steht.

Im August ist die Familie in ein schmuckes Fachwerkhaus in der Friedländer Wollweberstraße gezogen „Zur Miete“, wie Marion Dambeck betont. Die Kinder haben mehr Platz und im Erdgeschoss konnten sich die beiden Existenzgründer ein eigenes Büro einrichten. Zwei Computer, zwei Arbeitsplätze und an der Wand die ersten Ergebnisse gemeinsamer Arbeit. Auch wenn beide ihre eigene Firma gegründet haben, können sie sich doch gut ergänzen. Als Beispiel zeigt Marion Dambeck auf ein Plakat, das sie für ihre Kirchgemeinde getextet und entworfen haben.

„Aber nicht der einmalige Auftrag ist unser Anliegen, sondern Firmen über viele Jahre zu begleiten“, beschreiben beide ihr Ziel. Dass es bis dahin noch ein weiter Weg ist, wissen sie genau. „Wir sind optimistisch. Für uns ist jeder Tag wie ein Abenteuer. Wir leben viel mehr als früher im Heute und Jetzt“, betont das junge Paar.

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