Buntes Fest in stürmischen Zeiten
Landes-Erntedankfest in Usedom
Auch die Grundschule Usedom machte beim Festumzug durch die Insel-Stadt mit. Ihr Motto: „Junges Gemüse“. Fotos: Siegfried Denzel

Feier. Das Landes-Erntedankfest gestern in Usedom war eine farbenprächtige Feier – trotz der unübersehbaren Probleme in der Landwirtschaft.

Von Siegfried Denzel

Usedom. Solch einen Ansturm hat die kleine Insel-Stadt noch nicht erlebt: Schätzungsweise mehr als 10 000 Gäste strömten gestern zum 19. Landes-Erntedankfest nach Usedom, dessen Höhepunkt ein fast eineinhalbstündiger farbenfroher Umzug mit 108 Bildern bildete. Vereine, Betriebe, Schulen und Kitas von der gesamten Insel sowie auch aus der weiteren Region und nicht zuletzt aus Polen beteiligten sich und konnten sich über begeisterten Applaus der Zuschauer freuen.
Entsprechend erleichtert und zufrieden zeigten sich auch die Organisatoren um Bürgermeister Jochen Storrer (UBL). „Alle Wagen waren so schön gestaltet“, lobte er, verhehlte aber auch nicht, dass „ruhig noch ein paar Usedomer mehr beim Festumzug hätten mitmachen können“. Dennoch stellten die Aktiven unter Beweis, wie vielfältig das Wirtschafts-, Kultur- und Vereinsleben auf der Insel Usedom ist. Allerdings: Es war stürmisch – sowohl im wörtlichen als auch im übertragenen Sinne. Immer wieder fegten Böen über die Feiernden hinweg, und Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD) wie auch Landes-Bauernpräsident Rainer Tietböhl machten mehrfach auf die stürmischen Zeiten für die Landwirte aufmerksam: Mit 5,3 Millionen Tonnen Getreide hätten die mecklenburg-vorpommerschen Bauern eine der besten Ernten seit der Wende eingefahren; aber durch den Preisverfall „haben sie 25 bis 30 Prozent weniger Einkommen“, betonte Backhaus. Noch schlimmer sei es bei der Milch, wo die Bauern bei jedem Liter zehn bis 14 Cent Verlust machten.
Mehrere tausend Gäste verfolgten auf dem Usedomer Marktplatz das mehrstündige Unterhaltungsprogramm.
Eröffnet wurde das Fest mit einem ökumenischen Gottesdienst in der Usedomer Marienkirche. In seiner durchaus politischen Predigt äußerte der evangelische Landesbischof Hans-Jürgen Abromeit Verständnis für den Unmut der Bauern: „Manchmal kann man sich abrackern, aber es bleibt doch nicht genug übrig“, meinte er und bezog dies ausdrücklich auch auf die Krise in der Schiffbauindustrie mit ihren „geringen Löhnen für die wenigen, die noch bleiben“. Den christlichen Hintergrund des Erntedanks nannte der Bischof eine „sinnvolle Einsicht in die Grenzen menschlicher Fähigkeiten“, die dem ansonsten vorherrschenden Drang nach immer mehr entgegenstehe. Dabei forderte Abromeit von der Politik „den Mut, mehr Regeln für eine nachhaltige Marktwirtschaft aufzustellen“. Schließlich brauche die Gesellschaft zur Zufriedenheit „nicht immer mehr, sondern ein sinnvolles Genug“ – und das „gilt auch für Bosse und Manager“, spielte er auf die Diskussion um die Begrenzung von Vorstandsbezügen an.
Unterdessen nutzte Bürgermeister Storrer die Anwesenheit von Till Backhaus und Landes-Innenminister Lorenz Caffier (CDU), um Finanz-Werbung für Usedom zu machen: So brauche die Stadt die Hilfe des Landes für die Sanierung des Hafens. Und um das Achterland gegenüber den Seebädern zu stärken, müsse Usedom Standort des geplanten Welcome-Centers werden.
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