Oslo (AFP). Kein Land hat so häufig am Eurovision Song Contest (ESC) teilgenommen wie Deutschland - doch für die vordersten Plätze hat es selten gereicht. Schon in den 60er Jahren berichtete der „Spiegel“ im Zusammenhang mit dem Gesangs-Wettbewerb vom bösen Spott der Nachbarländer: „Lieber deutsche Panzer als Deutsche Schlager“, hieß es im Nachkriegs-Europa. Auch in den vergangenen Jahren gab es zahlreiche Pleiten. Am Samstag hat nun Lena Meyer-Landrut Gelegenheit, die deutschen Bilanz aufzupeppen. Seit 1956 gibt es den ESC, damals hieß er noch Grand Prix d'Eurovision. Schon 1962 waren die Deutschen das erste Mal entnervt und glaubten, das Punktesystem und nicht ihre Gesangsleistungen seien für ihr schlechtes Abschneiden verantwortlich. Sie beschwerten sich, dass immer Frankreich und die Niederlande gewännen. Unter deutschem Druck wurde deshalb das Punktesystem reformiert. Der „Erfolg": Sieger wurde wieder Frankreich. Conny Froboess wurde für Deutschland sechste von 16 Teilnehmern.
Das erste Mal mit der Höchststrafe null Punkte bestraft wurde Deutschland mit Sängerin Nora Nova 1964, dem Jahr, in dem Udo Jürgens seine Grand-Prix-Karriere für Österreich begann. Udo Jürgens gewann den Wettbewerb zwei Jahre später. Die deutsche Jury - das Publikum durfte damals noch nicht abstimmen - gab ihm bei diesem Sieg 1966 null Punkte und legte damit den Grundstein für eine tiefe deutsch-österreichische Grand-Prix-Abneigung. Ein erstes positives deutsches Ausrufezeichen setztee Katja Ebstein, die 1970 mit „Wunder gibt es immer wieder“ Dritte wurde - es wurde der Auftakt einer Serie mit drei dritten Plätzen Deutschlands am Stück. 1975, inzwischen gab es 19 Teilnehmerländer, wurde die bis heute gültige Punktespreizung von einem bis zwölf Punkten eingeführt. Deutschlands damaliger Vertreterin Joy Fleming brachte das aber kein Glück: Sie wurde abgeschlagen siebzehnte.
1979 wurde zur Sternstunde von Komponist Ralph Siegel. Er schickte die Gruppe Dschinghis Khan mit dem gleichnamigen Lied zum Entscheid nach Jerusalem. Der Auftritt galt im Vorhinein als gewagt: Eine deutsche Band die auf israelischem Boden „Sie trugen Angst und Schrecken in jedes Land“ und „Tausend Mann und einer ritt voran, dem folgten alle blind“ singt, galt vielen als Provokation. Doch die Israelis liebten das Lied, es langte für Platz vier.
Was folgte, war die erfolgreichste Grand-Prix-Phase Deutschlands: 1980 schaffte Katja Ebstein mit „Theater“ Platz zwei, 1981 verpasste Lena Valaitis als Zweite knapp den Sieg. Den holte ein Jahr später in England die 17-jährige Nicole Hohloch mit „Ein bisschen Frieden“. Der Jury in Österreich gelang die Revanche für die null Punkte für Udo Jürgens - vom Gelächter des Publikums begleitet gab es einen mickrigen österreichischen Punkt für Nicole.
"Sie holte einen Ozeandampfer Ansehen für Deutschland über den Kanal“, triumphierte die „Bild"-Zeitung über den Sieg, der bis heute der einzige bleiben sollte. Nach Nicole folgten 1985 und 1987 von der Gruppe Wind zwei zweite Plätze, Ralph Siegel holte 1994 und 1999 mit Mekado und Sürpriz mit zwei dritten Plätzen die besten deutschen Platzierungen der 90er Jahre. Stefan Raab, der Entdecker von Lena Meyer-Landrut, schaffte es mit ordentlichen Plätzen als Sänger und Produzent (Guildo Horn, Max Mutzke), das verstaubte deutsche Image aufzupolieren. |