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Konflikte sind an diesem Tag aber nicht angesagt. Merkel plaudert sich in der Deutschen Schule von einer Schülergruppe zur nächsten. Die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Maria Böhmer (CDU), spaziert hinterher und schüttelt ebenfalls Hände. Böhmer ist zufrieden. Erdogan habe bei den Gesprächen ganz klar eingeräumt, dass die Türken in Deutschland die deutsche Sprache lernen müssten. „Das war ungemein wichtig“, sagt sie.
Ein bisschen später sitzt Merkel mit Böhmer, dem türkischen Außen- und dem Kulturminister, Ahmet Davutoglu und Ertugrul Günay und mehreren Schülern auf einem Podium im Schulgebäude. Auf dem Gymnasium sind überwiegend türkische Schüler, die dort Deutsch lernen, aber auch einige deutsche junge Leute.
Merkel erkundigt sich nach den Erfahrungen an der Schule und fragt sich quer durch das türkische Schulsystem. Das ist nicht einfach, aber Merkel fragt immer wieder nach und sagt: „Ich versuche das jetzt zu verstehen.“ Irgendwann beschweren sich Schüler über den schwierigen Zugang zu türkischen Universitäten. Da gibt die Kanzlerin den dezenten Hinweis an die türkischen Regierungsvertreter, ob es nicht sinnvoll wäre, hieran etwas zu ändern.
Die Schülerin Svetoslava drückt es etwas uncharmanter aus und schimpft über die Übergangsprobleme. Merkel grinst und sagt, sie habe bereits versucht, das „auf die höfliche Art“ anzusprechen. „Ich bin ja ein höflicher Gast.“ Ganz kann sie es eben doch nicht lassen. Zum Schluss besinnt sich Merkel aber wieder auf ihren Harmoniekurs. „Wir haben eine ganze Menge gelernt“, sagt sie nach der Diskussion.
Schon am Morgen war Merkel auf Verständigungstour. Erste Station: die Hagia Sophia - früher eine Moschee und heute ein Museum. Die Kanzlerin steht umringt von einem riesigen Journalistentross, legt den Kopf in den Nacken und bestaunt die imposanten Kuppeln des Baus.Während ihr der Museumsdirektor die architektonischen Feinheiten erklärt, setzt sie ein „Aha“-Gesicht auf und nickt. Drumherum drängeln sich Merkels Delegation und japanische Touristengruppen. Die deutschen und türkischen Sicherheitsleute haben alle Mühe, Merkel durch das Museum zu lotsen.
Irgendwann drängt die Meute durch den engen Ausgang nach draußen, immer der Kanzlerin nach. Die bleibt gelassen und plaudert unbeirrt weiter. Über einen Platz und durch einen kleinen Park geht es zur Blauen Moschee gegenüber. Ein Straßenverkäufer sieht die Welle aus Anzugträgern und Kameraobjektiven auf sich zurollen und schiebt seinen Verkaufsstand mit Sesamringen gerade noch rechtzeitig zur Seite.
Ein paar Minuten und jede Menge Gedrängel später steht Merkel in der Blauen Moschee - in Puschen auf dickem Teppichboden. Der Mufti der Provinz Istanbul führt sie durch die Moschee. Merkel hört zu, murmelt „Mmh“ und „Ach so“ und stellt jede Menge Fragen. Ob die Frauen beim Beten nicht nach vorne gehen dürfen, will sie irgendwann wissen. Der Mufti weicht aus, aber Merkel lässt nicht locker, hakt immer wieder nach.
Ob das schon einmal passiert sei, dass eine Frau zum Beten nach vorne gekommen ist, bohrt sie. Der Mufti verneint. „Was würden Sie dann machen, wegschicken?“, schiebt sie hinterher und bringt ihr Gegenüber in Verlegenheit. Der Mufti antwortet diplomatisch, es komme zwar nicht vor, wäre aber kein Problem. Und in Zukunft werde das sicher mal passieren. Merkel grinst. Der Gesichtsausdruck: Na bitte, geht doch. So ist ihr die Verständigung am liebsten.
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