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Bloß Kühe sehen sie bei ihrer Arbeit nie

VonHorst Heinz GrimmZum Müsli oder zum Kaffee: Milch ist immer dabei. Doch von der Melkmaschine bis zum Liter Milch im Kühlregal ist es ein langer Weg. ...

Milchtechnologen steuern die komplexen Maschinen in Molkereien per Computer.   Foto: Milchindustrie-Verband

VonHorst Heinz Grimm

Zum Müsli oder zum Kaffee: Milch ist immer dabei. Doch von der Melkmaschine bis zum Liter Milch im Kühlregal ist es ein langer Weg. Einen Teil der Produktion über- wachen Milchtechnologen.

Ravensburg.Milch, Joghurt, Butter und Käse stehen für viele täglich auf dem Speiseplan. Doch über die Produktion der Lebensmittel wissen viele nichts. Den Prozess von der Rohmilch bis zum Liter Milch im Kühlschrank begleiten Milchtechnologen. Die Fachleute sorgen in Molkereien, Käsereien oder Milchwerken dafür, dass Hygienestandards eingehalten werden. Nur Kühe sehen sie bei ihrer Arbeit in hoch technisierten Betrieben nie.
Im letzten Jahr gab es in Deutschland etwa 1700 Milchtechnologen, sagt Torsten Sach vom Milchindustrie-Verband in Berlin. Bis zur Modernisierung im August 2010 hieß der Ausbildungsberuf Molkereifachmann. Die Fachkräfte arbeiten in einem Nischenberuf. Doch die Berufschancen sind für Milchmänner- und -frauen gut. „Es gibt keine arbeitslosen Milchtechnologen“, so Sach. Die Vergütungen richten sich überwiegend nach tarifvertraglichen Vereinbarungen.
Sauberkeit ist am Arbeitsplatz das oberste Gebot. Das fängt schon bei der Berufskleidung an: Milchtechnologen kleiden sich im Job komplett in weiß. Die Haare sind unter einer Haube versteckt. Piercings, Uhren, Hals- oder Armketten sind nicht erlaubt. „Daneben müssen Azubis technisch begabt und absolut zuverlässig sein“, betont Manfred Wiest. Er arbeitet als Personalchef bei Omira, einer Großmolkerei in Ravensburg. Zwar ist formell kein Schulabschluss vorgeschrieben. Bei Omira brauchen Lehrlinge jedoch mindestens den Hauptschulabschluss. In den Naturwissenschaften sollte der Notendurchschnitt mindestens „befriedigend“ sein.
Wenn Milchsammelwagen von ihren Touren zurück in die Molkerei kommen, beginnt die Arbeit der Technologen. Azubis lernen dabei, wie sie Rohmilch auf Geruch, Farbe und Temperatur untersuchen und Proben zur weiteren Analyse entnehmen. In einer Zentrifuge wird die Milch zunächst gefiltert und entrahmt. Dann erst können Milcherzeugnisse wie Joghurt oder Käse hergestellt werden. Die Produktionsanlagen sind zwar weitgehend automatisiert, müssen aber ständig überwacht werden.
Die Technologen sind verantwortlich dafür, dass die Herstellung der Milchprodukte den lebensmittelrechtlichen Vorschriften entspricht. Zu ihren Aufgaben gehört es, Produktionsanlagen einzurichten und zu kontrollieren. Ein Fehler dabei kann aus einer ganzen Joghurtproduktion Abfall machen. Außerdem achten sie darauf, dass Milch, Käse oder Butter richtig abgefüllt und verpackt werden. Hinterher säubern und desinfizieren sie die Anlagen. Die praktischen Fähigkeiten erwerben Azubis im Produktionsbetrieb. Der Berufsschulunterricht findet in Blockform statt. Wer in einer Molkerei arbeitet, muss sich darauf einstellen, auch an Wochenenden und nachts zu arbeiten. Milchtechnologen können aber nicht nur dort, sondern auch in anderen Bereichen der Ernährungswirtschaft arbeiten. Denn mit Hygiene in der Lebensmittelproduktion kennen sie sich aus. Eine echte Fachkraft erkenne man daran, dass sie am Ende das Produkt selbst probieren würde, sagt Wiest.