Interview mit Infrastruktur-Ministerin:

Brandenburg soll mehr Züge nach Polen bekommen

Brandenburgs Ministerin für Infrastruktur Kathrin Schneider (SPD) ärgert sich über das Fehlen wichtiger Verkehrsprojekte. Im Gespräch mit Benjamin Lassiwe verrät sie, worauf sie dennoch hofft.

Haben Potenzial: die Zugverbindungen zwischen Polen und dem Nordosten Deutschlands.
Stefan Sauer Haben Potenzial: die Zugverbindungen zwischen Polen und dem Nordosten Deutschlands.

Der Bundesverkehrs-Wegeplan liegt jetzt in der geänderten Fassung vor. Sind Sie zufrieden?

Ich bin zufrieden, was den Straßenbau betrifft. Die meisten unserer Projekte sind im Plan enthalten: Da ist zum Beispiel die A12 vom weiteren Bedarf in den weiteren Bedarf mit Planungsrecht aufgerückt. Und die Ortsumgehung Groß Oßnig ist neu in den Plan aufgenommen worden.

Und wie sieht es bei den Schienenstrecken aus?

Da sind wir gar nicht zufrieden, der Bund hat seine Hausaufgaben noch nicht gemacht. Gut ist: Die Elektrifizierung der Strecke Berlin-Stettin ist jetzt ein vordringlicher Bedarf, das ist ein wichtiger Schritt. Aber uns fehlt eine klare Aussage zur Zweigleisigkeit zwischen Lübbenau und Cottbus.

Wann könnte denn die Elektrifizierung nach Stettin abgeschlossen sein?

Um es deutlich zu sagen: Wir wollen die Elektrifizierung und den zweigleisigen Ausbau der Strecke nach Stettin. Das fehlt im jetzigen Entwurf des Bundes. Die Bahn sagt immer wieder, dass sie im Zeitplan sei. Das bedeutet: Umsetzung bis 2020.

Wie geht es mit der Strecke von Lübbenau nach Cottbus weiter?

Das ist die Görlitzer Bahn – da gehört für mich die Zweigleisigkeit ebenso dazu wie der Umbau des Bahnhofs Königs Wusterhausen und letztlich auch die Elektrifizierung von Cottbus nach Görlitz. Wir haben mit der Bahn für die Zweigleisigkeit zwischen Lübbenau und Cottbus ja die Planungsvereinbarung abgeschlossen. Ich bin überzeugt davon, dass das der richtige Schritt war. Denn wir brauchen für die Strecke Planungsrecht. Wenn man sich immer nur darüber streitet, ob man das jetzt angeht oder nicht, werden die Jahre weiter vergehen und nichts passiert. Wir sind auch dabei, über die Elektrifizierung Cottbus-Görlitz zu reden. Da sind wir mit unseren sächsischen Kollegen im Gespräch, um auch dort die Planung anzuschieben.

Ich hoffe, dass es uns gelingt, diese Strecke aus dem potenziellen Bedarf in den vordringlichen Bedarf aufrücken lassen.

Früher fuhr auf der Strecke der EC Wawel, jetzt gibt es immerhin den Kulturzug in die europäische Kulturhauptstadt Breslau. Wie sehen Sie diese Entwicklung?

Das ist sehr erfreulich. Der Kulturzug ist weitaus besser eingeschlagen als es alle gedacht haben. Die Bahn ging ja von der Zahl der Fahrgäste des alten Wawel aus und wollte ursprünglich mit einem einzelnen Triebwagen der Baureihe 628 fahren, der 140 Fahrgäste fasst. Man dachte, er könnte vielleicht zu einem Drittel besetzt sein. Heute bestehen manche Fahrten aus drei dieser Triebwagen, die aneinander gekuppelt sind. Mehr ist technisch nicht möglich. Und diese Triebwagen sind komplett ausgebucht. Zusätzlich werden noch Busse eingesetzt.

Das heißt, Fernverkehr auf dieser Strecke würde sich lohnen.

Wir sehen das so. Der Kulturzug ist ein gutes Signal für eine Fernverkehrsverbindung auf dieser Strecke. Darüber wollen wir mit der Bahn reden. Denn mit diesem Erfolg hat ja niemand gerechnet.

 

(Das ausführliche Interview lesen Sie im Uckermarkkurier am Wochenende)