Razzia:

1,6 Millionen Zigaretten beschlagnahmt

Immer wieder verkaufen Straßenhändler in Berlin illegal Zigaretten. Der Steuerschaden geht in die Millionen. Nun ist ein entscheidender Erfolg im Kampf gegen den Schwarzmarkt gelungen, zu dem auch ein deutscher Taxi-Fahrer gehören könnte.

Ein Zoll-Beamter kontrolliert auf einem Lkw Kartons mit sichergestellten Zigarettenstangen. Insgesamt waren über 200 Beamte von Polizei und Zoll im Einsatz.
Paul Zinken Ein Zoll-Beamter kontrolliert auf einem Lkw Kartons mit sichergestellten Zigarettenstangen. Insgesamt waren über 200 Beamte von Polizei und Zoll im Einsatz.

Bei einer groß angelegten Razzia haben Polizei und Zoll 1,6 Millionen unversteuerte Zigaretten beschlagnahmt. Nach Angaben von Ermittlern ist es in diesem Jahr der größte Fund in der Hauptstadt. Neun Verdächtige, gegen die bereits Haftbefehle vorlagen, wurden festgenommen. Ermittler ordneten den Fall der organisierten Kriminalität zu. Der Zoll geht davon aus, dass es der Bande gelang, bereits sechs Millionen Zigaretten illegal zu verkaufen. Dieser Steuerschaden liege bei 1,2 Millionen Euro. Die Ware stamme vermutlich aus Untergrundfabriken in Osteuropa, so ein Sprecher.

„Der Kopf der Bande ist zerschlagen“, sagte eine Sprecherin der Polizei. Hauptverdächtig seien zwei Vietnamesen im Alter von 23 Jahren sowie eine 29-jährige Vietnamesin. Zu den Verdächtigen gehört auch ein 61 Jahre alter deutscher Taxifahrer. Das Taxi des Mannes wurde laut Polizei beschlagnahmt. Vermutet wird, dass der Mann damit die illegale Ware beförderte. Die anderen fünf Verdächtigen sind zwischen 18 und 25 Jahre alt. Nach einem weiteren Bandenmitglied werde noch gefahndet.

Rund 200 Beamte durchsuchten ab 4.30 Uhr zwölf Garagen, Geschäftsräume und Privatwohnungen, darunter war auch eine Adresse in Brandenburg. Auch zwei Spezialhunde, die Bargeld erschnüffeln sollten, waren in Berlin im Einsatz, wurde aber laut Polizei nicht fündig. Zunächst stießen die Einsatzkräfte in einer Garage im Stadtteil Neukölln auf 720 000 unversteuerte Zigaretten. In einem weiteren illegalen Lager in Marzahn waren 880 000 unversteuerte Zigaretten gebunkert.

Polizei und Zoll waren der Gruppe seit Juni auf der Spur. Die Fahnder bildeten eine extra Ermittlungsgruppe. Die illegalen Händler sollen überwiegend von zu Hause aus per Telefon agiert haben. Auf die Spur gekommen sei man ihnen durch Erkenntnisse aus anderen Straftaten.

Der Zollsprecher sagte, der illegale Zigarettenmarkt in Berlin sei derzeit fest aufgeteilt. Blutige Verteilungskämpfe mit Hinrichtungen wie in den 1990er Jahren gebe es nicht mehr. Damals agierten drei bis vier organisierte Banden. Wie viele es heute sind, „wissen wir nicht“, sagte der Sprecher. „Das ist alles äußerst abgeschottet.“