Todes-Rätsel von Schwedt:

74-Jährige vom Vorwurf des Kindesmords freigesprochen

Die Frau war angeklagt, vor 42 Jahren in Schwedt ihren achtjährigen Sohn ermordet zu haben. Doch die gewonnenen Erkenntnisse reichten nicht für eine Verurteilung aus.

Der Angeklagten (l.) konnte der Mord an ihrem Kind nicht bewiesen werden.
Bernd Settnik Der Angeklagten (l.) konnte der Mord an ihrem Kind nicht bewiesen werden.

Eine 74-jährige Mutter ist vom Landgericht Neuruppin vom Vorwurf des Kindesmords freigesprochen worden. Sie war angeklagt, in der Nacht zum 5. November 1974 in ihrer damaligen Wohnung in Schwedt (Uckermark) ihren Sohn mit Stadtgas vergiftet und ihn zum Sterben in sein Kinderbett gelegt hat. „Unsere Erkenntnisse reichten für eine Verurteilung nicht aus“, erklärte der Vorsitzende Richter Udo Lechtermann am Donnerstag. Das Gericht habe alles Mögliche unternommen, um die „prozessuale Wahrheit“ herauszufinden.

Damit schloss sich die 1. Strafkammer der Forderung der Verteidigung an. Die Staatsanwaltschaft Frankfurt (Oder) hatte auf heimtückischen Mord plädiert.

„Es kann nicht mit Sicherheit gesagt werden, ob das Gas zum Kind kam oder das Kind zum Gas“, betonte Lechtermann. „Wir wissen nicht, was in der Nacht tatsächlich passiert ist“, unterstrich der Vorsitzende Richter. Daher bleibe keine andere Entscheidung.

Zweifel an Glaubwürdigkeit der Tochter

Das Gericht brachte aus seiner Sicht ebenfalls mögliche Varianten ins Spiel. So könnte Mario noch ein zweites Mal nachts die Küche aufgesucht haben, am Gas herum gespielt, zusammengebrochen und von einer anderen Person gefunden und im Glauben, das würde wieder, in sein Bett gelegt worden sein. Aus eigener Kraft hätte sich das Kind nicht ins Kinderzimmer schleppen können. Das hatte der Rechtsmediziner gesagt. Und da kämen nur zwei Personen in Betracht, so Lechtermann: Die Mutter oder die damals zwölfjährige ältere Schwester.

An der Glaubwürdigkeit der Tochter, die ihre Mutter schwer belastet hatte, hatte das Gericht seine Zweifel. Über Jahrzehnte habe sich ein Verhältnis zwischen beiden entwickelt, das von einer tiefsitzenden Verbitterung der Tochter geprägt sei, die sich von der Mutter, die sie mit 14 Jahren zu ihrem Vater schickte, verstoßen fühlte. „Die Aussage trifft auf unsere Skepsis. Wir sehen uns nicht in der Lage, darauf belastbare Indizien aufzubauen“, so Lechtermann.

Zeugen machten nur unklare Aussagen

„Um sein eigenes Kind umzubringen, muss man die höchste Hemmschwelle überwinden. Das tut man nur, wenn einem vermeintlich nicht anderes übrig bleibt“, sagte der Richter. Diese Situation habe aber bei Erna F. nicht vorgelegen. Das Gericht bezweifelte, dass die Angeklagte so empathielos sei, wie sie oft dargestellt wurde. Zeugen hatten sie als eiskalt und über Leichen gehend beschrieben.

Die vielen Zeugen, die vor Gericht gehört worden waren, hätten nicht zur Wahrheitsfindung beitragen können. „Wir haben die erschreckende Erfahrung gemacht, dass sie nur unklare oder beschönigende Aussagen gemacht haben“, sagte Lechtermann.

Ein anderes Urteil als ein Freispruch sei in der Gesamtschau nicht möglich gewesen, sagte der Richter.

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