Massenmord an Tieren:

Ägypter grillen unsere Vögel

Millionen Zugvögel sind derzeit auf dem Weg in ihr Winterquartier. Doch viele werden dort nie ankommen. Jäger fangen die Tiere massenhaft, um sie als Delikatesse zu verkaufen.

Ein Eisvogel im Netz: Vogelfreunde beklagen die Jagd auf Nachtigall und Co. am Mittelmeer.
Halady Jan Ein Eisvogel im Netz: Vogelfreunde beklagen die Jagd auf Nachtigall und Co. am Mittelmeer.

„Etwa 140 Millionen Zugvögel landen jeden Herbst in den Fallen ägyptischer Vogeljäger“, sagt der Vogelschutzexperte Lars Lachmann vom Naturschutzbund Deutschland (NABU). Der Flug in wärmere Gefilde ende für viele Vögel in Fangnetzen in Ländern am Mittelmeer, vor allem in Ägypten.

Die Zugvögel würden auf den Märkten in Kairo und anderen Städten für ein paar Euro als Delikatesse verkauft und kämen auf den Grill. Von der massenhaften Tötung seien auch seltene Arten wie Wachtelkönig, Wiedehopf und Pirol betroffen.

Der illegale Fang von Zugvögeln bereitet Tierschützern schon länger Sorgen: Nachgestellt werde den Tieren unter anderem in Malta, Italien und auf Zypern. Der Fang in Ägypten allerdings habe mengenmäßig Dimensionen angenommen, dass man sich Sorgen um diverse Vogelarten machen müsse, sagte NABU-Ornithologe Lachmann.

In Brandenburg gefördert, in anderen Ländern gegrillt

Ein Beispiel sei der Wachtelkönig, der etwa in den Feuchtwiesen des Odertals in Brandenburg brüte. In den vergangenen Jahren seien teure Projekte entwickelt worden, um die Feuchtwiesen und damit die Wachtelkönig-Populationen zu stabilisieren. Im Herbst machen sich die Tiere auf zum Langstreckenflug nach Afrika südlich der Sahara. Statt im Winterquartier landeten viele auf dem Grillteller.

Das gleiche Schicksal teilen Nachtigallen, die nach Angaben von Fachleuten in der Hauptstadt Berlin besonders verbreitet sind. Aber auch Buchfinken, Baumpieper, Neuntöter oder Grasmücken würden auf die gleiche Weise gejagt. Nach Schätzungen des NABU endet jeder 17. Zugvogel in ägyptischen Fangnetzen. 85 in Deutschland brütende Vogelarten seien betroffen.

Die Bundesregierung appellierte bereits an Ägypten, die Tötung von Zugvögeln zu stoppen. Das Land müsse seine internationalen Verpflichtungen zum Vogelschutz einhalten, erklärte die Umwelt-Staatssekretärin Katherina Reiche (CDU).

Verbot kaum durchzusetzen

Allerdings sind viele Menschen im krisengeschüttelten Ägypten bettelarm. Für sie ist der Fang von Zugvögeln eine wichtige Einnahmequelle.

Erschwerend kommt offenbar hinzu, dass sich alle Fangnetze auf militärischem Sperrgebiet befinden. Beobachtern zufolge zahlen Vogelfänger den Militärs Geld, um ihre illegalen Fallen aufstellen zu können. Die Bundesregierung müsse sich darum an das ägyptische Verteidigungsministerium wenden, um den von Korruption begünstigten „Vogelmord“ zu stoppen, forderte der NABU.