Schwedter Kindsmord-Prozess:

Alte Gerichtsakten bleiben unauffindbar

Der Prozess um den getöteten Achtjährigen aus Schwedt gestaltet sich schwierig: Akten aus der Vergangenheit sind verschwunden.

Die Angeklagte Erna F. bespricht sich vor Gericht mit ihrem Anwalt Uwe Furmanek.
Bernd Settnik Die Angeklagte Erna F. bespricht sich vor Gericht mit ihrem Anwalt Uwe Furmanek.

42 Jahre nach dem mysteriösen Tod eines Achtjährigen in Schwedt bleiben die DDR-Ermittlungsakten und Fotokopien davon weiter unauffindbar. Daher gestaltet sich der Prozess gegen die Mutter des Jungen vor dem Landgericht Neuruppin schwierig. Sie ist wegen Mordes angeklagt. Das Gericht vernahm am Dienstag, dem mittlerweile elften Verhandlungstag, nochmals die beiden Töchter der Angeklagten – zur Frage, ob sie möglicherweise im Besitz von Kopien der DDR-Akten sind.

Der in Göttingen lebenden Angeklagten wird vorgeworfen, 1974 ihren Sohn in Schwedt nachts in die Küche getragen, ihn in die Nähe des Gasherds gelegt und dann den Gashahn aufgedreht zu haben. Ein Rechtsmediziner hatte vor Gericht einen Unfall als Todesursache ausgeschlossen. Der Achtjährige starb an einer Kohlenmonoxidvergiftung.

Ex-Kollegin der Angeklagten vernommen

Die heute 46 und 54 Jahre alten Töchter der Angeklagten betonten, dass sie kein Akteneinsichtsgesuch bei der Brandenburger Generalstaatsanwaltschaft gestellt hätten und sich keine Unterlagen in ihrem Besitz befänden. Eine Oberstaatsanwältin hatte jedoch ausgesagt, eine der Töchter habe sich bei ihr gemeldet und sie habe ihr Kopien geschickt.

Das Gericht holte am Dienstag zudem die Vernehmung einer 77 Jahre alten ehemaligen Arbeitskollegin der Angeklagten nach, die im Juni krank war. Sie kannte auch den damaligen Schwedter Staatsanwalt Bruno Gromm, der die Ermittlungen in dem Fall leitete. „Wir sind der Meinung, dass Frau F. ihren Sohn umgebracht hat, können es aber nicht beweisen“, habe Gromm ihr am Rande einer Kaffeerunde gesagt, so die 77-Jährige.

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