Erich Priebke:

Auch Brandenburg will den toten Nazi-Verbrecher nicht

Der NS-Kriegsverbrecher gehörte zu den Schlimmsten. Nach seinem Tod ist eine neue Debatte um den früheren SS-Mann Priebke entbrannt. Wer muss ihm eine Grabstätte bieten?

Erich Priebke im Jahr 1996. Der verurteilte Kriegsverbrecher starb im Alter von 100 Jahren.
ANSA Erich Priebke im Jahr 1996. Der verurteilte Kriegsverbrecher starb im Alter von 100 Jahren.

Die Stadt Hennigsdorf (Oberhavel) sieht keine Grundlage für eine Beisetzung des NS-Kriegsverbrechers Erich Priebke in dessen brandenburgischer Geburtsstadt. Eine Sprecherin verwies auf die Friedhofsordnung der Kommune. Danach haben nur Einwohner der Stadt ein Recht auf eine Bestattung in Hennigsdorf oder Menschen mit unbekannten Wohnsitz, die in der Stadt nordöstlich von Berlin sterben.

Die jüdische Gemeinde in der Hauptstadt Rom hatte eine Beisetzung Priebkes in Hennigsdorf angeregt, weil der Widerstand in Italien gegen eine Trauerfeier sowie eine Beisetzung Priebkes im eigenen Land wächst. Zuvor hatte bereits Argentinien eine Beisetzung in Priebkes langjährigem Wohnort Bariloche abgelehnt.

Die Friedhofsordnung von Priebkes Geburtsort Hennigsdorf lässt nur wenig Raum für Ausnahmefälle. Ein „besonderes Recht auf Bestattung“ gibt es in einer bestimmten Grabstätte wie einem Familiengrab, erklärte die Stadtsprecherin. „Nach unseren Unterlagen gibt es keine Hinweise auf Angehörige in Hennigsdorf.“ Deren Wunsch ist maßgeblich für eine Bestattung.

So wurde der Kriegsverbrecher Heinz Barth, der an einem der schlimmsten Massaker der Nazis beteiligt war, 2007 in Gransee (Oberhavel) bestattet. Der frühere Obersturmführer der Waffen-SS hatte dort allerdings zuletzt gewohnt. Barth war im Juni 1944 im französischen Dorf Oradour-sur-Glane an einem Massaker mit 642 Todesopfern beteiligt. Dafür wurde er 1983 von einem DDR-Gericht zu lebenslanger Haft verurteilt. 1997 kam er auf freien Fuß.

NS-Verbrecher Priebke war im März 1944 an Erschießungen von 335 Zivilisten in der Nähe von Rom beteiligt. Die Hinrichtungen waren eines der schwersten Nazi-Massaker während des Zweiten Weltkriegs in Italien. Unter den Opfern waren 75 Juden. Nach seiner Kriegsgefangenschaft floh Priebke mit einem falschen Pass nach Argentinien. Er wurde 1995 an Italien ausgeliefert.

Für seine Beteiligung an dem Massaker wurde Priebke erst 1998 zu lebenslanger Haft verurteilt. Diese wurde wegen seines hohen Alters in einen zeitweise gelockerten Hausarrest umgewandelt.

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