Fahrzeiten oft viel zu lang:

Bei Bahn und Bus läuft vieles falsch

Die Grünen glauben, die Fahrgastzahlen im öffentlichen Nahverkehr verdoppeln zu können. Dazu schlagen sie viele neue Angebote vor.

Die Grünen fordern ein landesweites Netz von Expressbus-Linien.
Lars Friedrich Die Grünen fordern ein landesweites Netz von Expressbus-Linien.

Auf dem Land fährt am Wochenende kaum ein Bus. Brücken und Bahnhöfe sind marode. Und wenn Berliner Ausflügler im Regionalzug unterwegs zur Ostsee sind, herrscht oft Sitzplatzmangel. Brandenburgs öffentlicher Nahverkehr hat aus Sicht der Landtagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen erhebliches Verbesserungspotenzial. „Wir haben nach wie vor eine schlechte Erreichbarkeit in vielen Landesteilen“, so der verkehrspolitische Sprecher der Grünen, Michael Jungclaus.

Nun stellte die Fraktion ein Gutachten der Beratungsagentur „Team red“ vor, die im Auftrag der Grünen den jährlich von 600 000 Menschen genutzten Brandenburger Nahverkehr untersuchte. Zum Beispiel wurde gefragt, wie die Landeshauptstadt Potsdam mit Bahnen und Bussen erreichbar ist.

Das Ergebnis: Vor allem Reisende aus der Lausitz brauchen mit den Öffentlichen deutlich länger. Aus Senftenberg etwa könne man Potsdam in 1:45 Stunden mit dem Auto erreichen, mit der Bahn sei man dagegen 2:44 Stunden unterwegs. „Fast alle Wege nach Potsdam führen über Berlin – das kostet in der Regel Reisezeit“, so Gutachter Volkmar Wagner. Aus der Uckermark sind die Fahrtzeiten nach Potsdam mit beiden Verkehrsmitteln etwa gleich lang, aus der Prignitz allerdings ist man mit der Bahn immerhin gut 20 Minuten schneller.

Auch in der Uckermark wollen die Grünen eine Expressbus-Linie

Die Grünen hätten sich nach Angaben von Jungclaus als Ziel gesetzt, bis 2030 die Zahl der Fahrgäste in den Zügen und Bussen zu verdoppeln. „Wir müssen das Angebot ausweiten“, so Jungclaus. Wie von den Gutachtern vorgeschlagen, tritt die Umweltpartei etwa für ein Netz von Expressbus-Linien ein, die die bestehenden Regionalzüge als „Schienenverkehr ohne Schiene“ ergänzen, und zum Beispiel umsteigefreie Verbindungen nach Potsdam schaffen könnten. „Auch die Buslinie 515 von Templin nach Joachimsthal wäre so eine Verbindung“, so Jungclaus. Sie müsste dauerhaft vom Land finanziert werden.

„Und wenn es sich von den Fahrgastzahlen her lohnt, sollte dann auch wieder Zugbetrieb angeboten werden.“ Der Fraktionschef der Grünen im Landtag, Axel Vogel, übte scharfe Kritik an der Deutschen Bahn, die sich durch überzogene Trassenpreise und Stationsentgelte auf Kosten der Länder saniere. Es sei nicht nachvollziehbar, dass für den Halt von Zügen an einfachsten Haltepunkten wie Golzow jährlich 40 000 Euro berechnet werden, so Vogel. „Wir brauchen ein Landesprogramm, das dazu führt, dass Kommunen und Landkreise selbst die Eisenbahninfrastruktur vor allem von Nebenbahnen betreiben.“

Bereits am Montag hatte eine Studie des Kölner Instituts der Deutschen Wirtschaft vor einem deutlichen Rückgang der Regionalisierungsmittel des Bundes für den Schienenpersonennahverkehr in den Ländern gewarnt. Der CDU-Spitzenkandidat bei den Landtagswahlen im September, Michael Schierack, warnte deswegen vor einer Stilllegung von bis zu 50 Prozent der Brandenburger Schienenstrecken und forderte Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) auf, in Berlin entsprechend Position zu beziehen.

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