Förderung von Mastanlagen:

Beim Tierschutz wird angeblich getrickst

Große Mastbetriebe stoßen bei vielen Menschen auf wachsenden Widerstand. Nun machen Umweltschützer dem Landwirtschaftsminister schwere Vorwürfe.

Dem BUND zufolge sollen Masthähnchen auf einer Fläche eines Din-A4-Blattes leben - pro Broiler.
Jens Büttner Dem BUND zufolge sollen Masthähnchen auf einer Fläche eines Din-A4-Blattes leben - pro Broiler.

Der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) Brandenburg wirft Landwirtschaftsminister Jörg Vogelsänger (SPD) „Irreführung“ bei der Förderung von Tier-Mastanlagen vor. Nach den neuen Richtlinien könnten Betriebe eine Förderung von 40 Prozent der Investitionen erhalten, wenn die Bedingungen für die Tiere nur wenig über den gesetzlichen Vorschriften lägen, erklärte Geschäftsführer Axel Kruschat am Freitag in Potsdam. Bei einer 20-Prozent-Förderung seien die Standards sogar gesenkt worden. „Für Masthähnchen gibt es gar keine verbindliche Regelung“, sagte Kruschat. „Das bedeutet drei Viertel der Fläche eines DIN-A4-Blattes für einen Broiler.“

Dagegen erklärte der Sprecher des Potsdamer Agrarministeriums, Jens-Uwe Schade, eine finanzielle Förderung von Anlagen gebe es nur bei deutlich besseren Bedingungen für die Tiere. „Dabei macht Brandenburg keinen Alleingang, sondern die Grundsätze sind mit den anderen Bundesländern vereinbart“, betonte Schade.

Schärfere Auflagen gefordert

Der Entwurf für die neue Richtlinie werde derzeit noch in der Landesregierung abgestimmt, bevor sie in Kraft treten könne, erklärte Schade. Die bisherigen Bestimmungen waren 2013 ausgelaufen. In der Zeit von 2007 bis 2013 habe Brandenburg rund 500 Projekte in Betrieben mit insgesamt 105 Millionen Euro gefördert.

In Brandenburg wächst der Widerstand gegen große Mastbetriebe. Eine Volksinitiative „Stoppt Massentierhaltung“ hatte im vergangenen Jahr mehr als 34 000 Unterschriften gegen die Förderung von Großmastanlagen gesammelt. Die Initiative will erreichen, dass nur noch artgerechte Tierhaltung vom Land finanziell unterstützt wird und fordert schärfere Auflagen. Damit muss sich nun der Potsdamer Landtag befassen.