Kostenexplosion:

Betreuer bekommt 240 000 Euro Jahresgehalt vom Land

Gemeinden wälzen Betreuungskosten offenbar auf das Land ab – mit einer fragwürdigen Methode und teuren Folgen.

Weil einige Berufsbetreuer durch pauschale Bezahlung pro Fall offenbar richtig abkassieren, sollen jetzt ehrenamtliche Helfer stärker gefördert werden.
             
Jens Wolf Weil einige Berufsbetreuer durch pauschale Bezahlung pro Fall offenbar richtig abkassieren, sollen jetzt ehrenamtliche Helfer stärker gefördert werden.  

Diabetes, Sehschwäche oder lautstark störendes Verhalten sind einige der Gründe, für die Menschen in Brandenburg einen vom Gericht bestellten rechtlichen Betreuer erhalten. Dieser regelt ihre rechtlichen und wirtschaftlichen Angelegenheiten. So steht es in einem Bericht vom Landesrechnungshof, der im Ausschuss für Arbeit, Familie und Soziales diskutiert wurde.

Eigentlich soll eine rechtliche Betreuung einsetzen, wenn ein Volljähriger aufgrund einer Krankheit oder Behinderung seine Rechtsgeschäfte nicht mehr selbst erledigen kann. In Brandenburg wird anscheinend auch in weit weniger dramatischen Fällen zu dieser Lösung gegriffen, stellte der Rechnungshof fest – und bemängelte zugleich exorbitante Kostensteigerungen.

Täglich gibt das Land über 100 000 Euro für die Betreuer aus. Doch eine angemessene Betreuung sei nicht gesichert. Extrembeispiel sei der Fall eines Berufsbetreuers, der 140 Betreuungen gleichzeitig übernommen habe und auf ein Jahreseinkommen von 240 000 Euro komme.

Die Innenpolitikerin der Grünen, Ursula Nonnemacher, sagte: „Ich bin doch sehr erschüttert, dass in den Kommunen zur Vermeidung von Beratung oder sozialen Unterstützungsleistungen einfach ein Antrag auf rechtliche Betreuung gestellt wird.“ Die Kostensteigerung im Rechnungshofbericht zeuge demnach vor allem von einer massiven Kostenverlagerung von den Kommunen auf das Land.