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Betriebssport kommt in Mode

Fußballspielen mit Kollegen nach Feierabend oder Entspannungskurse im Job: Viele Unternehmen schätzen Sportangebote als Gesundheitsmaßnahme und für die Teambildung.

Stress im Job oder zu wenig Bewegung wollen Unternehmen mit Sportangeboten entgegenwirken.
Fredrik von Erichsen Stress im Job oder zu wenig Bewegung wollen Unternehmen mit Sportangeboten entgegenwirken.

Eine wachsende Zahl Arbeitgeber in Brandenburg setzt auf Betriebssport und Gesundheitsangebote für ihre Beschäftigten. Damit wollen sie für diese attraktiver werden. Zudem sollen krankheitsbedingte Ausfälle vermieden werden, wie eine Umfrage ergab. „Wir nehmen regelmäßig auch selbst mit Teams an Sportereignissen teil“, sagt der Sprecher der Industrie- und Handelskammer (IHK) Potsdam, Detlef Gottschling. Die Kammer empfehle ihren fast 76  000  Mitgliedsbetrieben, ebenfalls aktiv zu sein. „In Zeiten unbesetzter Ausbildungsplätze und knapper werdender Fachkräfte ist neben dem Gesundheitsaspekt der Werbeeffekt enorm“, stellt Gottschling fest. Gesundheitsfördernde Maßnahmen seien wichtige Bausteine in der Unternehmensführung.

Besonders größere Unternehmen ergreifen nach Angaben des Sprechers angesichts zunehmender Probleme nach und nach die Initiative. Bereits ein Drittel der deutschen Firmen habe ein betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM) integriert, Tendenz steigend. Betriebssport sei aber nur ein Aspekt gesundheitsfördernder Maßnahmen.

Arbeitgeber nutzen Steuerfreibetrag zu selten

„Einige große Unternehmen in Westbrandenburg, wie Rolls-Royce in Dahlewitz, haben ein umfangreiches Leistungspaket für ihre Mitarbeiter erstellt“, berichtet Gottschling. Kleine und mittelständische Unternehmen hätten dagegen häufig nicht die Kapazitäten, sich damit zu beschäftigen.

Inzwischen betrachteten immer mehr Betriebe sowie regionale Anbieter der Gesundheitsbranche das betriebliche Gesundheitsmanagement als Chance. Noch zu selten nutzen Arbeitgeber allerdings Gottschling zufolge den steuerlichen Freibetrag von jährlich 500 Euro pro Mitarbeiter dafür. Mit dem Präventionsgesetz ab 2016 hätten sich die Leistungen der Krankenkassen zur Prävention und Gesundheitsförderung um mehr als das Doppelte erhöht.

Gesundheitstage finden regen Anklang

Auch einigen Kommunen und Kreisen liegt die Gesundheit der Mitarbeiter am Herzen. So bieten die Stadt Potsdam und der Landkreis Potsdam-Mittelmark einmal im Jahr einen „Gesundheitstag“. „Der findet bei uns meist an einem Mittwoch statt, wenn die Sprechzeiten sowieso verkürzt sind“, erzählt Kreissprecherin Andrea Metzler. Von den rund 1100 Mitarbeitern nähmen jährlich mehr als die Hälfte daran teil. Seit zehn Jahren gehe es dann entweder auf einen Wanderausflug, in die Therme Bad Belzig oder zu einer Gesundheitsberatung. Die Kosten dafür übernehme der Kreis ebenso wie für Angebote zwischendurch. „Aktuell gibt es einen Yoga-Kurs in Teltow“, sagt Metzler. Die Kurse fänden zum Teil während der Arbeitszeit statt und würden entsprechend angerechnet.

Die Handwerkskammer (HWK) Potsdam bietet Lehrlingen ebenfalls einen Gesundheitstag an. „Es gibt mehrere Termine“, sagt eine Sprecherin. Auch die Unternehmerfrauen würden angesprochen. Beim letzten Gesundheitstag im September ging es zum Yoga nach Caputh.

Früher war sogenannter Arbeitersport ein fester Bestandteil der Gewerkschaftsarbeit. Heute sei der Betriebssport fast gänzlich aus dem Blickfeld verschwunden, beklagt der Brandenburger Verdi-Sprecher Andreas Splanemann. Der kollektive Sport mit Kollegen am Arbeitsplatz oder auch nach Feierabend hat nach seiner Einschätzung in der Gewerkschaftsarbeit dramatisch an Bedeutung verloren. „Ebenso wie betriebliche Ferienheime, Musikgruppen oder Kulturveranstaltungen ist er dem Zeitgeist und Sparmaßnahmen zum Opfer gefallen“, sagt Splanemann. Arbeitnehmer kümmerten sich mittlerweile selbst um ihre Gesundheit und nähmen entsprechende Angebote in Anspruch.

Einige große Betriebssportvereine gibt es aber noch im Land, doch die Mitglieder sind nicht nur Angestellte der Firma. So hat der BSG Pneumant Fürstenwalde fast 2800  Mitglieder, die Belegschaft in dem in der Stadt ansässigen Reifenwerk ist nur etwa ein Drittel so groß.