Mit Spannung erwartet:

Brandenburger Ex-V-Mann sagt im NSU-Prozess aus

Zehn Menschenleben hat die Neonazi-Terrorgruppe NSU auf dem Gewissen. Wie der ehemalige Vertrauensmann „Piatto“ helfen soll, die Angeklagten zu überführen.

Für die NSU-Opfer gibt es inzwischen mehrere Gedenktafeln.
Uwe Zucchi Für die NSU-Opfer gibt es inzwischen mehrere Gedenktafeln.

Mit Spannung wird am Dienstag die Zeugenaussage des früheren brandenburgischen V-Manns „Piatto“ im NSU-Prozess vor dem Oberlandesgericht München erwartet. Er ist für 9.30 Uhr geladen, wie aus der vom Gericht veröffentlichten Zeugenliste hervorgeht. Der einstige Spitzen-V-Mann war vor 14 Jahren enttarnt worden und lebt seitdem im Zeugenschutz. Er hieß zuvor Carsten Szczepanski.

Schon zwei Jahre vor dem ersten der zehn angeklagten Morde des „Nationalsozialistischen Untergrunds“ (NSU) hatte Szczepanski seinen V-Mann-Führern gemeldet, dass der harte Kern der Unterstützer Waffen und Geld für das NSU-Trio – Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe – beschaffen wolle.

Aussage in München vor Ort genehmigt

Das brandenburgische Innenministerium stimmte in der vergangenen Woche einer Vernehmung „Piattos“ ohne zusätzliche Auflagen im Gerichtssaal zu. Es werde nach Hinweisen des Oberlandesgerichts (OLG) München davon ausgegangen, dass „ein hinreichender Schutz des Zeugen auch vor Ort gewährleistet werden kann“, hatte Brandenburgs Innenminister Ralf Holzschuher (SPD) dazu erklärt. Zuvor hatte sein Haus aus Sicherheitsgründen auf eine Videovernehmung bestanden.

„Piatto“ war 1995 wegen versuchten Mordes an einem Nigerianer zu acht Jahren Haft verurteilt worden. Im Gefängnis wurde er dann zu einem Informanten der Behörden und lieferte auch Hinweise auf die Mitglieder der Terrorzelle NSU.