In der Wildnis:

Brandenburger gehen auf Abenteuertour in Mosambik

Besuche von Skorpionen im Zelt und Nächte, ohne die Hand vor Augen zu sehen: Eindrücke von einer Fahrt in den Banhine Nationalpark, die der Nationalpark Unteres Odertal organisiert hatte. Matthias Bruck schildert seine Erlebnisse in einer Serie.

Der Kleinbus, mit dem die Fahrt von der Hauptstadt Maputo aus in den Nationalpark gestartet wurde, hielt nicht durch. Die Besuchergruppe musste auf einen Lastwagen umsteigen.
Matthias Bruck Der Kleinbus, mit dem die Fahrt von der Hauptstadt Maputo aus in den Nationalpark gestartet wurde, hielt nicht durch. Die Besuchergruppe musste auf einen Lastwagen umsteigen.

Turkish Airlines fliegt nicht direkt nach Maputo, sondern über Johannesburg, Südafrika. Dort steigen die meisten Fluggäste aus. Die deutsche Delegation, die den Banhine-Nationalpark im Nachbarland Mosambik aufsuchen will, bleibt sitzen. Und eine weitere Handvoll von Leuten, die auch nach Mosambik wollen, warum auch immer. Maputo, die mosambikanische Hauptstadt, ist kein touristisches Ziel, wird ihnen spätestens jetzt bewusst. Im Flieger ist plötzlich ganz viel Platz.

Die Frage, wo fliegen wir eigentlich hin und was erwartet uns dort, steht unausgesprochen im Raum, Terra incognita, unbekanntes Land. Der einzige, der es bereits kennt, ist der Nationalpark-Chef vom Unteren Odertal, Dirk Treichel. Er hatte zu der Tour eingeladen. Die Gruppe, sehr heterogen besetzt – allein die Altersspanne reicht von 19 bis 79 Jahren – besteht aus Biologen, Naturschützern, Landschaftsplanern, Behördenmitarbeitern, Ärzten, Anglern, Journalisten und Krankenschwestern.

Sie wollen den Banhine Nationalpark in Mosambik besuchen und hier zum einen Hilfe leisten und zum anderen einen Selbsttest starten: Ob es funktionieren kann, hier touristisch unterwegs zu sein. Sie alle folgen einer Einladung von Dirk Treichel.

Treichel hatte in den vergangenen zwei Jahren eine intensive Beziehung zu dem Schutzgebiet im Süden Afrikas aufgebaut. Für ihn ist es die vierte Reise nach Mosambik, für alle anderen die erste Erfahrung mit diesem Land, das zu den ärmsten der Welt gehört und das in den Ohren vieler Ostdeutscher noch den Klang intensiver Entwicklungshilfe nachhallen lässt.

Viele Erinnerungen an die DDR-Vergangenheit

Die DDR hatte sich für den Aufbau eines sozialistischen Systems in Mosambik engagiert. So manches wird die ostdeutschen Mitglieder des Teams hier in den nächsten Tagen an die DDR erinnern. Die Polizisten beispielsweise tragen zum Teil noch die alte Felddienstuniform der NVA. Und Mosambik ist das einzige Land der Welt, dessen Staatsflagge von einer Kalaschnikow AK 47 geziert wird.

Die Aufgaben, die vor dem Team liegen: Bestimmung und Kartierung von Bäumen, Pflanzen, Vögeln und Säugetieren im Park, der mit einer Fläche von 7000 Quadratkilometer ungleich größer als das Untere Odertal ist, das es auf gerade einmal 105 Quadratkilometer bringt.

Das Team führt Lebensmittel mit, die es zu verteilen gilt: Das Wetterphänomen El Ninjo hatte dem südlichen Amerika in diesem Jahr eine Sintflut beschert und den Süden Afrikas vertrocknen lassen. In weiten Teilen der südlichen Staaten Afrikas droht eine Hungersnot. Und die Ärzte wollen medizinische Hilfe in den Dörfern leisten, die im Gebiet des Nationalparks liegen.

Doch zunächst gilt es am ersten Tag der Reise eine Strecke von 500 Kilometern zu absolvieren - so weit ist der Banhine-Nationalpark von der Hauptstadt entfernt. 250 Kilometer geht es über Asphaltpiste, dann taucht der Konvoi in den Nationalpark ein, jetzt geht es nur noch über huckelige Sandpiste. Der Kleinbus, der den größten Teil des Teams, das sich eng zusammengepfercht im Inneren des ächzenden Gefährts wiederfindet, transportiert, erweist sich als denkbar ungeeignet für die Piste. Nach drei Stunden Fahrt – wir haben vielleicht 150 Kilometer geschafft – verweigert er die Weiterfahrt.

Eine ganz andere Dunkelheit als in Europa

Das Kühlwasser hat sich in Wasserdampf aufgelöst und ist zischend entwischt. Das Team steht mitten in der afrikanischen Nacht. Nichts geht mehr. Licht von Straßenlampen hat das Team seit über 100 Kilometern nicht gesehen. Der Begriff Dunkelheit hat auf dem schwarzen Kontinent einen anderen Klang als im auch nachts lichtdurchfluteten Europa. Die Blicke der Reisenden wandern nach oben: Sie sehen einen südlichen Sternenhimmel in einer Intensität, wie viele von ihnen ihn vorher wohl noch nie erlebt haben.

Kurze Zeit nach dem erzwungenen Stop quält sich ein Lastwagen über den Sandweg – es ist der Lebensmitteltransport des Teams: 3,5 Tonnen Maismehl, Bohnen und Reis, in Säcken verpackt, hat das Fahrzeug geladen. Die Mitglieder steigen um und lassen sich auf der Ladefläche des Transporters weitere vier Stunden lang durch die Nacht schaukeln, bis tief ins Herz des Banhine-Nationalparks hinein, den Sternenhimmel über sich.

Es ist lange nach Mitternacht, als sie nach über 15-stündiger Fahrt ankommen. Das erste, was die Lichtkegel ihrer Stirnlampen erfassen, sind eine Reihe von Skorpionen. Und eine Vogelspinne, die flink über den Boden huscht, dicht an den Füßen und Beinen der staunenden Gäste vorbei, die eigentlich nichts mehr als ein Nachtlager ersehnt haben.

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