Film-Ausstatter nominiert:

Bringt er den Oscar nach Brandenburg?

Mit Hollywood-Stars wie Tom Cruise oder George Clooney duzt er sich ohnehin schon. Nun hat Bernhard Henrich selbst die Chance, den großen Coup zu landen.

Bernhard Henrich ist für den in Babelsberg koproduzierten Spielberg-Film „Bridge of Spies“ nominiert.
Paul Zinken Bernhard Henrich ist für den in Babelsberg koproduzierten Spielberg-Film „Bridge of Spies“ nominiert.

Mit Bernhard Henrich ist die Hauptstadtregion im Rennen um die Oscars. Er ist in der Kategorie „Production Design“ für den vom Studio Babelsberg koproduzierten Film „Bridge of Spies“ des Regisseurs Steven Spielberg nominiert. „Ich habe die Bekanntgabe in meiner Berliner Wohnung über das Internet verfolgt. Als ich meinen Namen gelesen habe, hat mich glatt der Schlag getroffen“, erzählt Henrich, der in Babelsberg arbeitet.

Viel Zeit, um sich von dieser Überraschung zu erholen, hatte der 63-Jährige nicht. „Plötzlich klingelte das Telefon. Der große amerikanische Production Designer Adam Stockhausen war am Apparat und sagte, dass ich auch nach London zum britischen Filmpreis Bafta kommen müsste. Auch hier würde ich auf der Nominiertenliste stehen.“ Wieder musste Henrich kräftig schlucken. „Mein Gott, jetzt muss ich mir auch einen Smoking zulegen. Die Verleihung findet im Kensington Palace statt. Vielleicht sind da ja auch Royals.“

Als Schaufenster-Dekorateur angefangen

Henrich wurde 1952 im saarländischen Niederwürzbach geboren. Als er sich zum Schaufensterdekorateur ausbilden ließ, waren seine Eltern wenig begeistert. Später zog es ihn nach Berlin, er wurde Theaterplastiker im Schiller-Theater. „Normalerweise ist das ein Studienberuf. Aber ich konnte durch meine Ideen und Entwürfe überzeugen“, sagt er. Mitte der 1970er Jahre wechselte er als Requisiteur zum deutschen Film. Mit der Literaturverfilmung „Der Zauberberg“ von Regisseur Hans W. Geißendörfer feierte Henrich seinen internationalen Durchbruch.

In den 1990er Jahren stieg er zum Set Decorator auf, wie der Beruf in der US-Filmsprache heißt. Während der Requisiteur für die Beschaffung von beweglichen Ausstattungsgegenständen zuständig ist, sei der Set Decorator höher angesiedelt. „Ich trage konzeptionell mit Sorge dafür, dass die Vision von Szenenbild und Regie sich in der Einrichtung der Sets wiederfindet.“ Dazu gehöre die Auswahl, Budgetierung und Platzierung aller Dekorationsgegenstände.

„Stars sind alles ziemlich normale Menschen.“

Henrich zählt in Europa zu den Führenden seiner Zunft. An 34 Filmen war er beteiligt – darunter Blockbustern wie „Monuments Men“ von Regisseur George Clooney, „Operation Walküre – Das Stauffenberg-Attentat“ mit Tom Cruise und „Die Bourne Verschwörung“ mit Matt Damon. Den Großteil seiner Filme hat Henrich mit Hilfe des Studios Babelsberg bewältigt. „Auch Steven Spielberg schwärmt von dem Studio. Die Babelsberger haben es ihm ermöglicht, am Originalschauplatz auf der Glienicker Brücke zu drehen.“

Am 14. Februar geht es für den 63-Jährigen nach London zum Filmpreis. 14  Tage später steht die Oscar-Verleihung in Los Angelos an. „Den Umgang mit Stars wie George Clooney bin ich gewohnt. Das sind alles ziemlich normale Menschen“, sagt er. „Aber die Oscars und die Baftas sind für mich total außerirdisch. Ich muss mich andauernd kneifen, um zu begreifen, dass ich nicht träume.“

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