Ernte hat begonnen:

Chicorée als erstes heimisches Gemüse der Saison

Die Sprossen werden gern als Salat gegessen. Dennoch stoßen die Knospen bei vielen Verbrauchern noch immer auf Skepsis.

Das Blattgemüse muss im Dunkeln reifen, damit die Blätter hell bleiben.
Patrick Pleul Das Blattgemüse muss im Dunkeln reifen, damit die Blätter hell bleiben.

Die Ernte des vitaminreichen Wintergemüses Chicorée läuft: Zum Jahresanfang gedeihen die Sprossen in Brandenburg. In seinem Betrieb etwa werden pro Saison rund 160 Tonnen geerntet, erläuterte der Geschäftsführer des Bio-Betriebes in Pretschen (Dahme-Spreewald), Sascha Philipp.

Die fast weißen, vielblättrigen Knospen werden bis zur Erntereife etwa so groß wie eine Hand. In Pretschen wachsen sie in einem etwa 140 Quadratmeter großen Raum – in mehreren Etagen.

Sprossen brauchen zum Schluss nur Wärme und Wasser

Im Sommer werden nach Angaben von Philipp im Freiland die Wurzeln gezogen, aus denen dann jeweils eine Sprosse heranwächst. Im Winter kommen in der Treiberei die zarten Blätter zum Vorschein: Dafür brauchen sie nur Wärme und Wasser. Dunkelheit sorgt dafür, dass die Blätter hell bleiben. Mit zwei Hektar Anbaufläche ist das Bio-Gewächshaus Pretschen eines der größten seiner Art in Brandenburg.

Bundesweit werden laut Zentralverband Gartenbau die Wurzeln auf etwa 281 Hektar angebaut, in Brandenburg stehen sie auf etwa sieben Hektar. „Etwa zehn Prozent des in Deutschland verkauften Blattgemüses entfällt auf Chicorée“, sagte Jochen Winkhoff von der Fachgruppe Gemüsebau im Zentralverband. In Frankreich seien es fast 50 Prozent.

In Deutschland werden etwa 14 000 Tonnen aus einheimischer Produktion verkauft. Das Volumen sei zwar klein, decke aber rund die Hälfte der im Inland vermarkteten Menge ab, sagte Winkhoff.

Chicorée-Kulturen könnten noch ausgebaut werden

Noch gibt es beim Anbau von Chicorée und Gemüse überhaupt in Brandenburg Reserven. „Der Boom bei Regionalprodukten und die steigende Nachfrage vor allem aus Berlin sind zu spüren“, sagte der Sprecher des Agrarministeriums, Jens-Uwe Schade. Auf der anderen Seite seien Investitionen in Gewächshauskulturen eine besondere Herausforderung für die meist kleinen und mittleren Gartenbaubetriebe. Deutsche Verbraucher haben nach Angaben des Zentralverbandes Gartenbau im Jahr 2013 durchschnittlich etwa 331 Gramm Chicorée gekauft – immerhin neun Prozent mehr als 2012. Für 2014 liegen noch keine Zahlen vor.

Nachhaltig lässt sich die Nachfrage aber wohl nur durch neue Käuferschichten erhöhen. Bislang kauft nur jeder vierte Haushalt überhaupt mindestens einmal im Jahr diese Gemüsesorte. Einkaufsmengen erhöhen sich erst mit dem Alter der Verbraucher, haben Experten festgestellt. An den leicht bitteren Geschmack von Chicorée muss man sich im Laufe des Lebens offenbar erst gewöhnen.

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