Großprojekt in Haßleben umstritten:

Demo gegen Schweinezucht im Riesenstall angekündigt

Die industrielle Massentierhaltung ist umstritten. In Haßleben plant ein Investor eine Schweinezucht mit Tausenden Tieren. Dagegen wollen sich Menschen wehren – und nicht nur die aus der Uckermark.

Die massenhafte Haltung auf engstem Raum ist für die Borstentiere eine große Qual.
Carmen Jaspersen Die massenhafte Haltung auf engstem Raum ist für die Borstentiere eine große Qual.

Mit einer Großdemonstration, die deutlich mehr als 1000 Besucher anziehen könnte, wollen Tierschützer und Landwirte am Wochenende gegen die geplante Schweinemastanlage in Haßleben (Uckermark) protestieren. Dort plant der niederländische Investor Harry van Gennip den Bau von Stallanlagen, in denen bis zu 36 000 Tiere gleichzeitig gehalten werden können. Zu DDR-Zeiten befand sich dort eine der größten Schweinemastanlagen des Landes, in der bis zu 150 000 Tiere gehalten wurden.

Doch auch die nun geplante, und im vergangenen Jahr genehmigte Anlage habe noch eine „apokalyptische Größenordnung“, sagte die Künstlerin Sybilla Keitel, die seit 2004 mit der Bürgerinitiative „Kontra Industrieschwein Haßleben“ gegen die Pläne kämpft, am Montag in Berlin. Doch wenn sie bei der Potsdamer Landesregierung nachfrage, erhalte sie immer dieselben Antworten: „Keiner ist es gewesen, keiner will es verantworten, keiner ist zuständig.“ Dem niederländischen Investor wirft sie vor, Tierschutzvorschriften zu missachten.

Kritik an der Landesregierung

Zudem stelle sich das Land Brandenburg mit der Genehmigung in den Dienst eines niederländischen Unternehmers, dem der Bau solcher Anlagen in seinem Land „aus guten Gründen verwehrt“ werde. „Über die fürchterlichen Bedingungen für die Tiere sowie die globalen Konsequenzen solcher Anlagen ist inzwischen jeder informiert“, so Keitel. „Ob ein Politiker wie Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) von Weitsicht geleitet ist, der die Tourismuschancen der Uckermark preist und sie gleichzeitig zur Verklappung der Fäkalien von 36 000 Schweinen freigibt, ist eine legitime Frage.“

Am Wochenende erhält die Uckermärker Bürgerinitiative Unterstützung: Das unter anderem von der „Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft“ (ABL) , Naturschutzorganisationen und Hilfswerken getragene Bündnis „Meine Landwirtschaft“ ruft zu einer Demonstration unter dem Motto: „Wir haben es satt!“ in Haßleben auf. Als das Bündnis vergangenes Jahr im niedersächsischen Wietze eine Protestkundgebung gegen den dortigen Geflügelschlachthof veranstaltete, kamen rund 7000 Teilnehmer aus ganz Deutschland. Am Sonntag werden mindestens 800 Menschen zu einer Demonstration vor der Schweinemastanlage erwartet, zudem finde bereits am Samstag ein bundesweites Netzwerktreffen zum Thema „Bauernhöfe statt Agrarfabriken“ in Templin statt, erklärte Kampagnensprecher Jochen Fritz.

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