Zukunftspreis für Biologin:

Der Tagebau blüht dank ihrer bunten Blumen auf

Nach der Wende ordnete sich die Wirtschaft in Brandenburg neu. Geschäftsideen gab es viele. Alle Wirtschaftskammern würdigen jetzt erstmals mit einem gemeinsamen Preis speziell unternehmerische Leistungen. Darunter ist die pfiffige Idee einer Biologin.

Diplom-Biologin Christina Grätz baut bedrohte Pflanzenarten an.
Patrick Pleul Diplom-Biologin Christina Grätz baut bedrohte Pflanzenarten an.

Christina Grätz stapft in Gummistiefeln über ein großes Feld. Mit jedem Schritt wird Erde aufgewirbelt, es ist windig. Sie steuert auf ein Blumenmeer in Violett zu. Die Wildblumen sind die Geschäftsgrundlage ihrer Firma in Jänschwalde (Spree-Neiße). Die 40-Jährige baut den Bestand bedrohter Pflanzenarten wieder auf und bringt unter anderem stillgelegte Braunkohle-Tagebauflächen zum Blühen.

Die Biologin ist unter den Preisträgern des diesjährigen Zukunftspreises Brandenburg. Erstmals war dieser von allen märkischen Wirtschaftskammern gemeinsam ausgelobt worden.

Die jeweils drei Handwerks- sowie Industrie- und Handelskammern aus verschiedenen Regionen des Landes würdigen damit neun Firmen für ihre unternehmerischen Leistungen. Grätz‘ 2011 gegründete Firma mit insgesamt sechs fest angestellten Mitarbeitern wird zum Beispiel von der Jury dafür geehrt, dass sie Lebensräume schaffe. Zu den Preisträgern zählen unter anderen auch eine Tischlerei in Wiesenburg/Mark und eine Medizintechnikfirma in Teltow.

Blumenmeer und Kraftwerk im Kontrast

Weit hinter dem Blumenmeer, in dem die agile 40-Jährige mit den roten Locken steht und das sich auf dem Firmensitz befindet, ragen in der Ferne die Türme des Kraftwerks Jänschwalde empor. Die Kohle dafür fördert der schwedische Energiekonzern Vattenfall in einer nahe gelegenen Grube. Das Revier von Grätz sind in diesem Tagebau die Flächen, die bereits von den Baggern ausgekohlt wurden und renaturiert werden sollen. Sie erläutert, dass dort etwa Gemähtes auf die Erde gelegt wird. Darin befinden sich Samen.

„Wenn dann die Arbeit Früchte trägt und die Blumen sprießen, dann bin ich nicht nur zufrieden, sondern glücklich“, sagt die gebürtige Lausitzerin. Sie selbst sei mit dem Tagebau groß geworden. „Den Ort, in dem ich aufgewachsen bin, gibt es heute nicht mehr, weil er für die Kohle abgebaggert wurde.“ Irgendwann habe sie beschlossen, sich auf ihre Weise einzubringen. Mit ihrer Firma Nagola Re GmbH renaturiert sie unter anderem auch Parkbereiche und andere Flächen.

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