100 Kilo Rausch:

Drogen-Bauer wartet auf Urteil

Im Westen Brandenburgs lebte ein Drogen-Baron jahrelang unbehelligt als Landwirt. Im Prozess gegen den 60-Jährigen wird bald ein Urteil erwartet.

Eigentlich war die Polizei bei dem Bauern nur auf der Suche nach unverzollten Zigaretten.
Timm Schamberger Eigentlich war die Polizei bei dem Bauern nur auf der Suche nach unverzollten Zigaretten.

Im Drogenprozess gegen einen Milchbauern aus Werbig bei Bad Belzig im Landkreis Potsdam-Mittelmark ist die geplante Urteilsverkündung verschoben worden. Das Landgericht Potsdam setzte am Montag einen weiteren Verhandlungstermin für kommenden Donnerstag fest, da noch weitere Zeugen und Sachverständige gehört werden sollen. Der Mitte August begonnene Prozess sollte ursprünglich am Montag beendet werden.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem 60-Jährigen Einfuhr und Handel mit Betäubungsmitteln vor. Auf dem Hof des gebürtigen Niederländers hatten Zollfahnder im Februar mehr als 100 Kilogramm Drogen im Wert von etwa einer Million Euro beschlagnahmt. Sichergestellt wurden 72 Kilo Marihuana, rund 10 Kilo Amphetamin, 7 Kilo Kokain, 15,5 Kilo Haschisch und 5,7 Kilo Ecstasy-Tabletten.

Auf den Drogenfund waren die Ermittler per Zufall gestoßen. Nach dem Tipp eines ehemaligen Mitarbeiters des Landwirts hatten die Beamten den Bauernhof eigentlich aus ganz anderen Gründen unter die Lupe genommen: Der Mann soll illegal mit unverzollten Zigaretten gehandelt und Firmenfahrzeuge mit Heizöl betankt haben. Bei der Durchsuchung stießen die Beamten dann hinter einer mit einem Vorhängeschloss gesicherten Kellertür auf das Drogendepot. Der 60-Jährige sitzt inzwischen wegen Drogenhandels in nicht geringer Menge in Untersuchungshaft. Der Gesetzgeber sieht dafür mindestens zwei Jahre Gefängnis vor.

So viele Drogen finden Sie selten

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft ist der Fund auch deswegen ungewöhnlich, weil hier sowohl harte als auch weiche Drogen in großen Mengen gelagert wurden. Das Zollfahndungsamt für Berlin und Brandenburg betonte, dass es von manchen Drogen im gesamten Jahr 2014 nicht so viel sichergestellt habe wie jetzt bei dem Coup. "Darüber hinaus fanden die Fahnder auch ein Luftdruckgewehr und eine Gasdruckpistole ohne erforderliche Kennzeichen sowie rund 30 Kilo illegale Pyrotechnik", berichtete die Zoll-Sprecherin. Außerdem entdeckten sie rund 37 000 illegale Zigaretten.

In dem zu Bad Belzig gehörenden Dorf haben die Bewohner wohl nichts von den Nebengeschäften des Landwirts mitbekommen. Nachbarn berichteten, dass der Bauer in dem Ort als hilfsbereit bekannt gewesen sei. "Wann immer wir was haben, ist er zur Stelle und hilft mit Technik aus", sagte die Ortsvorsteherin.