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Empörung über Berichte zum neuen Haupstadtflughafen

Ob am Großflughafen BER jemals Flugzeuge abheben, steht weiter in den Sternen. In immer astronomischeren Höhen indes bewegen sich die Kosten für das Projekt. Brandenburger Politiker machen jetzt mehr Druck.

Rainer Bomba (CDU) zufolge wird der neue Flughafen viele Jahre keinen Gewinn abwerfen.
Bernd Von Jutrczenka Rainer Bomba (CDU) zufolge wird der neue Flughafen viele Jahre keinen Gewinn abwerfen.

Berlins neuer Großflughafen BER wird möglicherweise um weitere 1,1 Milliarden Euro teurer. Das geht aus einem Bericht des Projektsteuerers WSP/CBP hervor, aus dem am Freitag mehrere Medien zitierten. Die Gesamtkosten des Projekts betragen demnach sechs Milliarden Euro. Mehrkosten von allein 240 Millionen würden demnach auf eine längere Sicherung der Baustelle entfallen. 290 Millionen würden für einen verbesserten Schallschutz für die Anlieger des Flughafens benötigt.

Zudem kündigte der Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, Rainer Bomba (CDU), anlässlich einer Sitzung des Flughafen-Untersuchungsausschusses im Berliner Abgeordnetenhaus an, dass vermutlich erst im kommenden Frühjahr ein neuer Termin für die Eröffnung des BER genannt werden könne. Vor dem Ausschuss erklärte Bomba zudem, der neue Flughafen werde wohl erst in den 2020er Jahren Gewinn abwerfen. Bis dahin rechne man mit Anlaufverlusten.

Politiker sind sauer

Brandenburgs Politik reagierte mit Unverständnis auf die Berichte über die neuerliche Kostensteigerung. Brandenburgs Flughafenstaatssekretär Rainer Bretschneider, der auch Mitglied des Aufsichtsrats der Flughafengesellschaft ist, wies die Medienberichte als Spekulation zurück.

Die Vorsitzende des BER-Sonderausschusses im Brandenburger Landtag, Klara Geywitz (SPD), forderte gegenüber dem Uckermark Kurier die Flughafengesellschaft auf, endlich einen Kosten- und Zeitplan für das Projekt vorzulegen. „Bei der nächsten Aufsichtsratssitzung muss da Klarheit herrschen“, sagte Geywitz. Eröffnungstermine für den Flughafen könne man nicht politisch beschließen. „Und es ist ein natürlicher Vorgang, dass die Geschäftsführung zunächst versucht, sich einen Überblick zu verschaffen.“ Bedauerlich sei die Dauer dieses Vorgangs: So lange von der Geschäftsführung keine Zahlen vorgelegt werden, könne die Politik „nur im Nebel stochern“.

Ähnlich äußerte sich die Sprecherin des Potsdamer Finanzministeriums, Ingrid Mattern. „Wenn die Zahlen aus den Medien stimmen sollten, wäre es sehr verwunderlich, dass sich die Geschäftsführung des Flughafens nicht im Stande fühlte, sie dem Aufsichtsrat vorzulegen.“

Die oppositionelle Brandenburger CDU warf der Flughafengesellschaft fehlende Transparenz und Klarheit vor. „Anderthalb Jahre nach der Eröffnungsverschiebung erleben wir statt Klarheit und Transparenz größere Unsicherheiten und Spekulationen denn je“, sagte der Fraktionsvorsitzende Dieter Dombrowski. Wie teuer der BER den Steuerzahler insgesamt zu stehen kommt, bleibe weiter ein Exklusivwissen der Verantwortungsträger.

FDP-Landeschef Gregor Beyer sagte, er wolle im Sonderausschuss beantragen, dass Ausschusssitzungen künftig auch im Vorfeld von Aufsichtsratssitzungen stattfinden sollen. „Man erfährt immer nur im Nachgang, was entschieden wurde.“ Beyer sagte weiter: „Wenn der BER zu einem Erfolg werden soll, muss die Politik aber stärker führen.