Misshandlungs-Vorwürfe:

Experte verteidigt geschlossene Heime

In brandenburgischen Heimen sollen Kinder und Jugendliche gequält worden sein. Ein Psychologie-Professor plädiert dennoch für derartige Einrichtungen.

Das Kinder- und Jugenheim Haus Babenberg der Haasenburg GmbH in Jessern
Patrick Pleul Das Kinder- und Jugenheim "Haus Babenberg" der Haasenburg GmbH in Jessern.

Geschlossene Heime bieten einigen Kindern und Jugendlichen nach Meinung eines Psychologen die Möglichkeit, sich auf Bindungen einzulassen. „Man hält sie irgendwo fest – im doppelten Sinne des Wortes“, sagte der Professor für Klinische Psychologie an der Universität Potsdam, Günter Esser. Angesichts der Misshandlungsvorwürfe gegen drei Heime der Haasenburg GmbH in Brandenburg waren Stimmen laut geworden, die gegen eine geschlossene Unterbringung sind.

Der Psychologe hält dagegen: In Ausnahmefällen seien offene Heime keine Lösung. „Kinder und Jugendliche mit starken Bindungsstörungen bekommen in geschlossenen Heimen erst die Chance, zur Ruhe zu kommen und Beziehungen aufzubauen“, meinte Esser. Ihnen könne diese Art der Einrichtungen helfen. Sonst liefen sie einfach weg, genau wie oft schon viele Male zuvor. In geringer Zahl könne man auf solche Heime nicht verzichten, sagte Esser. Misshandlungsvorwürfe müssten aber schonungslos aufgeklärt werden – nur dann sei das Konzept von geschlossenen Heimen tragbar.

Pfleger müssen unter allen Umständen ruhig bleiben

Zur Rolle der Erzieher sagte der Psychologie-Professor: „Wenn sie körperlich angegriffen werden, müssen sie cool reagieren, abgeklärt und souverän.“ Das verlange viel Mut und Selbstbewusstsein. „Alles andere sind Entgleisungen – dann hat sich jemand nicht im Griff gehabt.“