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Experten kritisieren geplante Reform der Schulämter

Bildungsministerin Martina Münch (SPD) will die Schulaufsicht reformieren. Doch das stößt auf Widerstand.

Schuldirektor Frank Bretsch ist skeptisch.
Archiv Schuldirektor Frank Bretsch ist skeptisch.

Zu große Distanzen, unklare Strukturen, fehlende Notwendigkeiten. Die von Bildungsministerin Martina Münch (SPD) geplante Reform der Schulaufsicht ist im Bildungsausschuss des Landtags kritisiert worden. Nahezu alle vorgeladenen Experten übten Kritik an den Plänen, die bislang sechs Schulämter in Brandenburg (Havel), Perleberg, Wünsdorf, Eberswalde, Frankfurt (Oder) und Cottbus in ein Landesschulamt mit vier Regionalstellen in Brandenburg, Neuruppin, Cottbus und Frankfurt (Oder) umzuwandeln.

„In der Reduzierung der Standorte von sechs auf vier sehen wir eine große Gefährdung der Qualität der Schulaufsicht in der Fläche des Landes“, sagte Bianka Petereit vom Städte- und Gemeindebund. Gerade Gemeinden in der Uckermark wären von Fahrzeiten von bis zu zweieinhalb Stunden zum nächsten Schulamt betroffen. „Es gibt Bürgermeister, die schon heute sagen: Ich bin schneller an der Ostsee als im staatlichen Schulamt“, so Petereit.

Auch Bretsch kritisiert die Zentralisierung

Der Direktor der Angermünder Ehm-Welk-Oberschule, Frank Bretsch, verwies darauf, dass Schule „ausschließlich eine Beziehungskiste“ sei. Die Mitarbeiter der Schulämter benötigten genaue Kenntnisse der örtlichen Gegebenheiten. „Und es ist langzeitkranken Kollegen kaum zu vermitteln, dass sie für ein Wiedereingliederungsgespräch 200 Kilometer fahren sollen.“ Einzig der Direktor des Landesschulamtes Sachsen-Anhalt, Torsten Klieme, gab dem Ministerium Rückenwind. Eine Reform des Schulämterwesens gehe auch mit einer neuen Rolle der Schulaufsicht einher. Künftig würden die Schulräte vor allem als „Coach, Begleiter und Innovationsträger den Schulen zur Verfügung stehen.“

„Wir haben acht Einzelmeinungen gehört“, relativierte dagegen Bildungsstaatssekretär Burkhard Jungkamp. Bei den Schulräten, der Lehrergewerkschaft und in den Schulämtern treffe die Reform auf Zustimmung. Dagegen sprach der CDU-Bildungspolitiker Gordon Hoffmann von einer „falschen Antwort auf die Herausforderungen eines Flächenlandes, möglichst viel zu zentralisieren.“ Die CDU befürchte, dass sich die Servicequalität für die Schulen verschlechtere und ein zusätzlicher Bürokratieaufwand verursacht wird.