Bombenräumung in Oranienburg:

Explosives Erbe bald beseitigt

Wie kaum eine andere Stadt in Deutschland ist Oranienburg bis heute durch Sprengkörper aus dem Zweiten Weltkrieg belastet. Zumindest ein Teil soll bis Ende des Jahres komplett bereinigt werden.

Bombenentschärfungen haben zeitweise das öffentliche Leben und den Bahnverkehr in Oranienburg lahmgelegt.
Oliver Mehlis Bombenentschärfungen haben zeitweise das öffentliche Leben und den Bahnverkehr in Oranienburg lahmgelegt.

Nach drei Jahren geht die Suche nach Blindgängern auf dem Bahngelände in Oranienburg in die letzte Phase. Bis Jahresende soll das Projekt abgeschlossen sein, sagte ein Sprecher der Deutschen Bahn. 90 Prozent des knapp 25 Hektar große Areals seien untersucht. „Bislang wurden sieben Blindgänger geborgen, von denen einer vor Ort gesprengt werden musste“, so der Sprecher. Bis Ende 2014 habe es über 32  000 Bohrungen gegeben. Die Bahn hat sich vertraglich verpflichtet, ihr Gelände zu untersuchen, bevor weitere Bauarbeiten starten. Der Konzern rechnet mit insgesamt etwa 20 Millionen Euro Kosten.

Rund 20  000 Bomben prasselten im Zweiten Weltkrieg auf die Stadt herunter. Mit seiner chemischen Industrie, den Heinkel-Flugzeugwerken und vielen weiteren Rüstungsbetrieben war die Kleinstadt mit heute rund 43 650 Einwohnern wichtiges Ziel für die Geschwader. Dabei warfen die Alliierten vor allem Bomben mit chemischen Langzeitzündern ab.

300 Bomben noch im Boden vermutet

Etwa 300 dieser Bomben vermutet Kampfmittelexperte Wolfgang Spyra von der TU Cottbus in einem Gutachten von 2008 noch im Boden. Auf dem Bahngelände liegen nach seinen Schätzungen 20  Blindgänger. Seit 2012 wird systematisch nach ihnen gesucht. Dazu werden Löcher in den Untergrund gebohrt in eine Tiefe von bis zu 15 Meter. Besonders viele Bohrungen (14  593) gab es im Bereich der Ferngleise. Dabei kam es immer wieder zu Sperrungen von Strecken, vor allem zwischen Berlin und Rostock.

Aktuell steht nun am Bahnhof noch die Untersuchung des Empfangsgebäudes an. Erst wenn sicher ist, dass sich unter dem Gebäude keine Blindgänger befinden, kann die Bahn den geplanten Ausbau vornehmen. Nach Angaben des Innenministerium wurden in Oranienburg seit 1991 insgesamt mehr als 180 Blindgänger geborgen. Mehr als 100 davon waren mindestens 250 Kilogramm schwer. Fast alle hatten einen chemischen Langzeitzünder.

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