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Familie erstickt – Vormieter vor Gericht

Vier kleine Kinder, die Mutter und ihr Lebensgefährte starben in ihren neuen Räumen an einer Kohlenmonoxid-Vergiftung. Die vorigen Bewohner hatten das Abzugsrohr der Gastherme verstopft.

Unter Kapuzen versteckt, kamen die Angeklagten in den Gerichtssaal.
Soeren Stache Unter Kapuzen versteckt, kamen die Angeklagten in den Gerichtssaal.

Es war ein Bild des Grauens – Kinderleichen auf dem Fußboden und in Betten, zwei Erwachsene tot auf der Couch. Die 27 Jahre alte Mutter, ihre vier kleinen Kinder sowie der Lebensgefährte waren erstickt. Schuld war Kohlenmonoxid, das sich geruchlos aus der Gastherme verbreitete. Zweieinhalb Jahre nach der Tragödie in einer Wohnung in Berlin-Köpenick stehen seit dieser Woche die beiden Vormieter vor Gericht. Die Anklage lautet auf fahrlässige Tötung. Sie sollen das Unglück verursacht haben, weil sie ein Abzugsrohr der Gastherme verstopft haben sollen. Zu Prozessbeginn im Berliner Landgericht schwiegen die Beschuldigten, ein 33-jähriger Mann und seine 50 Jahre alte Mutter.

Der Sohn soll im Januar 2007 das Abgasrohr der damals aufgrund von Schulden beim Gasversorger stillgelegten Therme mit Stofffetzen und Altpapier verstopft haben. Von der Mutter sei dies ausdrücklich gebilligt worden, hieß es in der Anklageschrift. Die Angeklagten hätten an der Gastherme hantiert, um sich vor kalter Zugluft zu schützen. Als sie im März 2011 auszogen, hätten sie „sorgfaltswidrig nicht daran gedacht, das Rohr zu reinigen oder die Hausverwaltung zu informieren“. Eine böse Absicht unterstellt ihnen die Staatsanwaltschaft nicht.

Gibt es viele Schuldige?

Die 27-jährige Nachmieterin war im Juni 2011 mit ihren Kindern und dem Lebensgefährten in die Vierraumwohnung gezogen. Die Gaszufuhr war damals noch gesperrt. Ein Klempner berichtete im Prozess, er sei im Juli 2011 in der Wohnung gewesen. „Ich sollte die Gasleitung überprüfen und abdichten, mit der Kontrolle der Therme war ich nicht beauftragt“, sagte der 44-Jährige. Dass die Gastherme acht Jahre außer Betrieb war, habe er nicht gewusst. „Wenn mir das bekannt gewesen wäre, hätte ich auf jeden Fall eine komplette Überprüfung des Gerätes empfohlen“, sagte der Zeuge. Die tödliche Verstopfung wäre bei einer Messung sofort entdeckt worden.

Betretene Stille herrschte im Saal, als eine Gerichtsmedizinerin über den Unglücksort sprach. Die Toten waren über vier Räume verteilt. Auf dem Fußboden in einem Kinderzimmer lag noch eine Bedienungsanleitung für die Heizung. Medikamente gegen Fieber, Schmerzen, Übelkeit lagen auf den Tischen. „Es gab deutliche Hinweise auf einen schleichenden Vergiftungsprozess“, sagte die Ärztin. Alle sechs Opfer hätten sich immer wieder erbrechen müssen. Sie starben irgendwann zwischen dem 23. und 25. Juli 2011.

Ein Anwalt der Nebenklage richtete den Blick auch auf den zuständigen Bezirksschornsteinfeger, der Abgasanlagen jährlich überprüfen muss, auf die Hausverwaltung und den Vermieter.