Weitere Beweisanträge:

Plädoyers im Nauen-Prozess verzögern sich

Im Prozess um den Brandanschlag auf eine geplante Flüchtlingsunterkunft in Nauen hält das Gericht die Schuld des Angeklagten NPD-Politikers Schneider für erwiesen - und möchte bald zu Urteilen kommen. Doch die Verteidiger treten mit weiteren Anträgen auf die Bremse.

Der Angeklagte Thomas Frank E. (hinten, l-r), Rechtsanwalt Martin Dakhli, der Angeklagte Christopher L. (vorne, l-r), Rechtsanwalt Mario Schink, der Angeklagte Dennis W., Rechtsanwalt Friedrich Wolf, Rechtsanwalt Jens-Michael Knaak, der angeklagte NPD-Politiker Maik Schneider und Rechtsanwalt Ulli Herbert Boldt im Landgericht Potsdam.
Bernd Settnik/Archiv Der Angeklagte Thomas Frank E. (hinten, l-r), Rechtsanwalt Martin Dakhli, der Angeklagte Christopher L. (vorne, l-r), Rechtsanwalt Mario Schink, der Angeklagte Dennis W., Rechtsanwalt Friedrich Wolf, Rechtsanwalt Jens-Michael Knaak, der angeklagte NPD-Politiker Maik Schneider und Rechtsanwalt Ulli Herbert Boldt im Landgericht Potsdam.

Mit weiteren Beweisanträgen hat die Verteidigung im Prozess um den Brandanschlag von Nauen (Havelland) für einen Aufschub der geplanten Plädoyers gesorgt. So forderte ein Verteidiger des Angeklagten NPD-Politikers Maik Schneider am Dienstag am Landgericht Potsdam, die Höhe des Sachschadens an der abgebrannten Sporthalle neu zu begutachten. Der Schaden wäre wesentlich geringer gewesen, wenn die als Flüchtlingsunterkunft vorgesehene Halle nach dem verheerenden Brand im August 2015 saniert und nicht abgerissen worden wäre, argumentierte der Anwalt.

Die meisten Angeklagten gaben Beteiligung an Brandstiftung zu

Die 1. Strafkammer zog sich am Mittag zur Beratung zurück. Die Plädoyers der Staatsanwaltschaft und der Verteidiger der sechs angeklagten Neonazis sollten nun am Nachmittag beginnen.

Die Kammer hatte bereits am Vormittag mehr als zwei Dutzend Beweisanträge von Schneider abgelehnt. Es sei im Prozess bereits erwiesen, dass Schneider die Sporthalle in Brand gesetzt habe, sagte der Vorsitzende Richter der 1. Strafkammer, Theodor Horstkötter. Dies hatte Schneider auch eingeräumt. Auch die meisten mitangeklagten fünf Neonazis hätten ihre Beteiligung klar zugegeben, sagte Horstkötter. 

Schneider hatte mit diversen Anträgen beweisen wollen, dass er bei dem Anschlag spontan und weitgehend allein gehandelt habe. Damit wollte er dem Eindruck entgegen treten, dass die Neonazi-Gruppe den Anschlag lange geplant und mit großer Energie ausgeführt habe.

Dieser Artikel wurde um 13.04 Uhr aktualisiert.